Annas Blog

Category: Ausflüge, Reisen und Co. (page 1 of 5)

Partypeople

PartypeopleYeees, they can! Und zwar sowas von!!

Es ist nur eine kleine Schule, der Abschlussjahrgang besteht aus gut zwanzig Schülern, davon bis auf zwei alle weiblich. Wahnsinnskleider, Frisuren voller Glitzer und Haarspray, himmelhohe Absätze: heute heißt es für die Abschlussklasse der Gesundheits-Mittelschule aus Benesov ‘Abschlussball’. Die Prüfungen werden erst im Mai erwartet, wahrscheinliche Bestehensquote: keine 50 %. Wie jedes Jahr. Es ist ihnen egal. Heute ist die Zeit zu Glimmern und zu Glänzen, zu Toben, zu Tanzen und zu Trinken und wir sind dabei! Live und Exklusiv auf Einladung.

Das Programm beginnt gegen halb acht. Tanzeinlage (HipHop), Auftritt der zukünftigen Absolventen, es wird gefilm (Professionell) und fotografiert (von allen Seiten). Dankesreden verhallen, mehr oder weniger gehört. Dann, der rote Teppich! Eine nach der Anderen schreitet dahin, nimmt Scherpe, Rose und Glas, Glückwünsche und Händedrücke entgegen. Dazwischen die beiden Männer in schwarz unter tosendem Jubel. Es zieht sich, wir bewerten: Kleider, Schuhe, Figuren, Tatoos.

Dann der erste Tanz. Sofort füllt sich die Fläche, Continue reading

Die gute Tat

Eine Geschichte über persönliche Blödheit und Menschen, die einem unerwartet helfen.

Ein eisiger Wind herrscht an Gleis sieben, an dem wir auf unseren Zug Richtung Heimat warten. Meine Mutter und ihr Lebenspartner warten die letzten Minuten mit uns. Dann sind sie auch uns los und es kehrt nach einer Woche weihnachtlichen Trubels wieder Ruhe ein. Meine Schwestern sind bereits heute morgen abgereist.

Endlich fährt der Zug ein, er ist relativ voll, aber wir haben ja reserviert. Also auf Plätze suchen. Die sind natürlich besetzt. Zwei ältere Herrschaften, das ist immer eine unangenehme Situation … “Schönen guten Tag, es tut uns leid, dass wir sie damit behelligen müssen, aber wir haben diese beiden Plätze reserviert.” Die beiden reagieren ungläubig, zücken ihr Ticket. Sie haben ebenfalls eine Reservierung. Wir vergleichen: Sitzplatznummer – identisch, Wagennummer – stimmt auch,  Zugnummer, Uhrzeit – ebenfalls identisch. Das kann nicht sein. Continue reading

Zwei Stunden blind

zu Gast im ‘Sinneswandel’

“Hallo ich bin Marcel, ich werde Sie durch den heutigen Abend begleiten!” Der blinde Mann streckt uns die Hand hin, einer nach dem anderen ergreifen wir sie, nennen ihm unsere Namen. Dann halten wir uns aneinander fest, gehen durch die erste Tür, schließen die zweite Tür hinter uns. Es ist stockfinster. Man glaubt ein rotes Flimmern vor den Augen zu sehen, aber das ist Einbildung. Tatsächlich sieht man einfach nur Schwärze. Als wir alle am Tisch sitzen, erklärt Marcel uns, wo unser Besteckt liegt, Gabel und Feuchttuch links, Messer und Löffel rechts. Das Dessertbesteck oben, in der Mitte die Serviette. “Auf dem Tisch steht ein Brotkorb mit einem Dip in der Mitte, damit dürfen Sie schon einmal beginnen!” Alle tasten in Richtung Mitte.

Vom anderen Ende des Tisches kommt ein trockenes: “Ich habe den Dipp gefunden!” Wir lachen, es klingt wie eine Mischung aus aufgedreht und leicht hysterisch. Continue reading

Verliebt

koebenhavn_1Gesetztenfalls das Paradies ist eine Stadt, vielleicht sogar eine Großstadt, dann ist es wahrscheinlich wie Kopenhagen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Schon auf der Hinfahrt nach Schweden hat mir der Bahnhof aus roten Backsteinen gefallen. Ein Ort der einen Willkommen heißt, etwas, dass man nicht von vielen Bahnhöfen behaupten kann. Mit dem Zug anreisen ist übrigens die beste und garantiert auch günstigste Möglichkeit. Mit Europaspezialticket und womöglich noch Bahncard 25 macht einem auch die Fähre nichts, die mit dem Auto sehr teuer sein soll. Continue reading

Unser Wwoof-Abenteuer in Bildern

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Nach gut zwei Wochen Schweden fällt es nicht leicht eine Auswahl an Bildern zu treffen. Zumal ich hier darauf verzichte Menschen mit gut erkennbaren Gesichtern zu zeigen, um die Privatsphäre der entsprechenden Personen zu wahren. Trotzdem möchte ich natürlich einen (sehr unvollständigen) Eindruck vermitteln, deshalb gibt es auch jeweils ein paar Erklärungen dazu. Continue reading

Tschüss Schweden!

Noch ein letzter Blick über die Bucht und die strahlend blaue See. Ein letztes Dankeschön und noch eine Umarmung. “Its time to hug!” Gunilla lacht. Letzte Woche hat sie uns gesagt, dass sie nicht traurig ist über Abschiede von Wwofern. “Wenn man sich von Menschen verabschiedet, sollte man nicht traurig sein, man sollte froh sein über die Zeit, die man gemeinsam hatte. Denn auch wenn man sich nie wieder sieht, so bleiben es doch Freunde.”

Zweieinhalb Wochen auf einem schwedischen Bauernhof mit vielen Pferden, Schafen, Hühnern, Pfauen, Hunden, Katzen, Meerschweinchen, Schildkröten und Schlangen. Zweieinhalb Wochen großartiges Septemberwetter, ein ganzer Regentag, ein paar Schauer, ansonsten viel Sonne – teilweise sogar Badewetterr! Wobei das Meer recht kalt war. Nachmittage auf der Terrasse und am Strand, unterwegs auf Feldern und im Wald.
Trotzdem war es natürlich kein typischer Urlaub. Manch einer würde vielleicht sagen, es war gar kein Urlaub. Continue reading

Sonnenaufgang über Ales Stenar

Sonntag Morgen, 5:00

Ale Stenar
Am Horizont wird der Himmel langsam etwas heller, doch noch können sich die Sterne gegen die schleichende Dämmerung behaupten. In einem alten silbernen Bus klingelt leise ein Wecker. Mein Schatz und ich kriechen vorsichtig aus der engen Koje. Wir wollen weder einen der fünf Hunde noch einen unseren fünf Mitreisenden wecken. Klamotten liegen bereit, der Rucksack ist gepackt, wir schnappen uns noch eine Decke, draußen ist es windig. Auf Socken verlassen wir den Bus, drücken die Tür vorsichtig wieder zu.

5:20

Wir nähern uns Ale Stenar, ich in die Decke gewickelt. Am Horizont zieht der erste rosafarbene Streifen herauf. Die Kühe schlafen noch. Die letzten Sterne funkeln noch am wolkenlosen Himmel, bald werden auch sie verblasst sein Continue reading

Unser Urlaub steht an. Ob er diesen Namen verdiehnt hat, muss sich allerdings erst noch zeigen, auf jeden Fall fahren wir weg. Oder besser, wir sind schon unterwegs, wenn du das hier liest. Dieses Jahr Richtung Nordeuropa auf einen ökologischen Bauernhof. Kost und Logis wird gegen Arbeitskraft getauscht, das Ganze hat auch einen schönen Namen, es nennt sich wwoofen (siehe auch hier und hier). Ein neues Land, neue Menschen, neue Erfahrungen und es sollte den Horizont erweitern. Was kann man sich mehr wünschen für eine gute Reise? Continue reading

Die Mobilitätsfrage

Bei meinem Liebsten und Haustechniker lauet in unregelmäßigen Abständen eine wichtige Frage: “Haben oder nicht haben?” Immer dann, wenn es doch gerade mal praktisch wäre ein Auto zu besitzen, wird in ihm der Wunsch nach einem eigenen 4-rädrigen Freund geweckt. Bis lang habe ich jede in diese Richtung geführte Diskussion gewonnen, schon aus dem einfachen Grund, dass ich die besseren Argumente habe. Geld spielt zwar dabei die Hauptrolle, aber niemand der in einer Stadt wie Dresden wohnt – keine fünf Minuten von zwei Straßenbahnhaltestellen entfernt – und keine Kinder hat, braucht ein Auto. Zumal Fahrrad fahren viel gesünder ist. Und dann die Ökobilanz … Das führt dann zwar dazu, dass wir, wenn wir etwas im Baumarkt benötigen, mit Bahn und Bus dort hinfahren und auf dem Rükweg erheblich zu schleppen habe. Aber wäre es anders: Es wäre ja nicht mal der Erwähnung wert.

Auch letzte Woche wäre ein Auto wieder praktisch gewesen. Geburtstagseinkäufe und ein Kurzurlaub mit Verwandschaft aus Amerika standen auf dem Programm. Wir wurden aber mitgenommen bzw. haben uns ein Auto von der Verwandtschaft geliehen. Und die Rückfahrt hat mir dann mal wieder gezeigt, warum es nur nervig und teuer ist einen eigenen fahrbaren Untersatz zu haben: nach den ersten 30 km wurde eine hohes sirrendes Geräusch hinten links im Auto so unerträglich und beunruhigend, dass wir auf den nächsten Rastplatz gefahren sind. Beim Aussteigen stieg uns der unangenehme Gestank von Gummi in die Nase und das Hinterrad war glühend heiß. Also blieb nur den Pannenservice anzurufen. 1,5 Stunden auf der Raststätte verbracht und ein zweifelhaftes Abendbrot verspeißt. Endlich: Der Abschleppwagen. Das Rad war natürlich inzwischen wieder kalt, zu sehen war auch nichts. Die Bremse, das Radlager? Das Auto wurde zügig aufgeladen und zur Werkstatt transportiert. Nach einer weiteren guten Stunde konnten wir endlich weiterfahren. Es war die Bremse gewesen, festgefressen und ja, die Bremsklötze sind fast nicht mehr existent, also zu Hause schleunigst in die Werkstatt… Kosten? Nur die Arbeitsstunden, aber mit 100% Sonntagszuschlag, das ist halt Pech.

Der nette Mechaniker hat zwar ein Schwätzchen mit uns über Automarken (von denen ich werder Ahnung habe, noch Ahnung haben will) gehalten. Und uns nachdrücklich versichert, dass eine Mercedes S-Klasse besser ist als jeder Audi oder VW. Aber ich hoffe, dass auch bei meinem Haustechniker der Wunsch nach einem Auto fürs erste mal wieder versiegt ist.

BUNT

Eines der Sommerhighlights – Ja, auch hier ist der Sommer endlich angekommen! – in Dresden ist jedes Jahr die Bunte Republik Neustadt (kurz BRN). Entstanden aus einer Protestbewegung in den 90er Jahren handelt es sich heute eigentlich nur noch um ein großes Straßenfest. Dies macht sich vor allem in der Kommerzialisierung bemerkbar. Es geht an vielen Stellen vor allem um den Verkauf von Essen und Trinken und natürlich von Krimskrams, den man auf solchen Festen üblicherweise findet. Darüber hinaus ist die BRN aber trotzdem etwas ganz besonderes. Auch wenn ich nicht weiß, wie das Fest früher aussah, hat es einen ganz besonderen Charme, der es von anderen Stadtfesten, die ich kenne, unterscheidet.

Samstag Nachmittag sind die zentralen Straßen der Neustadt schon voller Menschen. Junge und Alte, Familien mit Kindern, ein bunt gemischtes Publikum tummelt sich auf der Allaunstraße, der Louisenstraßen oder rund um die Lutherkirche. Nach einem Spaziergang durch dem Priesnitzgrund haben mein Lebensgefährte und ich beschlossen uns in das bunte Getümmel zu stürzen. Aber als uns der Durst überkommt und die Füße langsam brennen, suchen wir uns ein erhöhtes Plätzchen vor einer Bar und beobachten bei einem kühlen Bier die vorbeiziehenden Menschenmassen. Und das Publikum ist wirklich bunt. Manche haben wahrscheinlich Stunden vor dem Spiegel verbracht, bevor sie das Haus verlassen haben. Punks mit perfekt gestylten schreiend bunten Haaren, Musikfans verschiedener Richtungen in Schwarz bis leuchtend rot, gelb oder blau. Alternative Ökos in Leinenkleidern und Biolatschen. Sogar einen Mann im Schottenrock habe ich gesehen, nicht gerade die Traditionskleidung in Dresden. Tatoos soweit das Augen sehen kann. Erstaunlich wie bebildert die Menschen heute oft sind. Sternchen und Blümchen fallen ja kaum auf, Frauen die Aussehen, als ob sie Strumpfhosen tragen,  obwohl es nur bebilderte Beine sind. Bunte Rücken und Dekolletès, man könnte jede Menge Zeit mit der Interpretation verbringen.

Ich habe mir übrigens ein kleines Bildchen (eine Schwalbe) in den Nacken kleben lassen, ein Pentagram stieß bei meinem liebsten nicht gerade auf Gegenliebe. Das Vöglein hat aber die Dusche nach dem Sport am Sonntag nicht überstanden.

Sehr niedlich waren auch die vielen Säuglinge und Kleinkinder die von ihren Eltern durch die Straßen getragen, geschoben und gezogen wurden und die gegen den Lärm und die Musik aus allen Richtungen neonfarbenen Gehörschutz trugen.

Aber ein paar Details machen daneben noch die Besonderheiten der BRN aus. Die viele Straßenverkäufer, die nicht in mit kommerziellen Wägen am Straßenrand stehen. WGs und Familien mit Kindern die Waffeln backen, Kuchen verkaufen und selbstgebastelte Dinge anbieten. Im meinem ersten Jahr in Dresden habe ich hier ein paar Ohrstecker, die aus Porzelanscherben gefertigt sind, gekauft. Diesmal konnte ich einer bunter, sehr weichen und fast durchsichtigen Pumphose nicht widerstehen. :)

Wichtig ist für die BRN auch die Musik, die an allen Ecken gespielt wird. Große und kleine Bühnen, Bands, die von Balkonen herunter musizieren, DJs in Bierwagen, Rapper auf der Straße, Privatleute, die ihre Boxen ans Fenster stellen und ein paar Meter Straße beschallen, bis der Sound von der nächsten Bühne ein paar Meter weiter überlagert wird. Andere – wie eine trommelnde Salsagruppe – bewegen sich durch die Straßen und bleiben an der ein oder anderen Stelle ein Weilchen stehen – um zu trommeln.

Kulinarisch dominieren übrigens indische Speisen das Bild, wobei ich mir nicht sicher bin, ob das ein und derselbe Inder ist, der nur verschiedene Stände hat oder ob es wirklich so viele indische Restaurants in der Neustadt gibt, die alle einen Stand auf der Straße haben. Aber es gibt auch die unvermeidlichen Langosstände (meiner Meinung nach könnte man die weglassen), leckeres Fladenbrot, Crepes, Falafel und Co.

Zwei Abende und ein Nachmittag BRN: Viele Musik, leckeres Essen, viele Menschen – alles in allem ein schönes buntes Wochenende!

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