Annas Blog

Tag: Regularien

Ich bin ein Auslaufmodell

Das neue Vorlesungsverzeichnis des Instituts für Germanistik ist draußen, sechs Professuren (wobei nur vier eine wesentliche Rolle spielen) stellen alle angebotenen Seminare und Vorlesungen für alle angebotenen Studiengänge vor. Ein über 200 Seiten langes Pdf, in dem man Seminare seinen Bedürfnissen entsprechend auswählen kann. Wobei mit Bedürfnissen eher das Abdecken noch fehlender Prüfungsleistungen gemeint ist.

Beim ersten Blick auf besagtes Dokument ist mir die Übersicht der Studiengänge ins Auge gefallen: “Master Lehramt Berufsbildende Schulen (auslaufend!)”. Gleich neben “Master Lehramt Gymnasium” und “Alte Studiengänge Lehramt und Magister”, beide ebenfalls auslaufend mit Ausrufezeichen. Die “alten” Lehramtsstudiengänge sind schon auslaufend seit ich angefangen habe zu studieren – also seit 2008. Aber inzwischen bin ich wohl auch ein Auslaufmodell.

Eigentlich verrückt. Im Jahr 2008 habe ich zum zweiten Bachelorjahrgang gehört und, da ich diesen in der Regelstudienzeit abgeschlossen habe, bin ich immer noch Teil des 2. Masterjahrgangs. Das ist ein Beispiel für sächsische Bildungspolitik. Gewogen und für zu leicht befunden, aber statt mal was anständig zu evaluieren lieber gleich wieder alles über den Haufen schmeißen. Mal schaun wie lang der “neue STEX” Studiengang durchhält, wahrscheinlich so lange bis die ersten neuen Staatsexamler ihren Abschluss haben, das wäre dann 2017. Da könnte man ja dann einen “neuen Bachelor” wieder einführen, oder?

Studentenleben – manchmal lieber virtuell

Ich gehöre eigentlich nicht zu denen, die sich permanent darüber beschweren, wie viel man als Student so zu tun hat und das man das eigentlich unmöglich alles schaffen kann. Denn ich weiß das das Blödsinn ist. Zugegeben – auch ich jammere in der Prüfungszeit gern mal, dass ich das ganze Wochenende lernen muss, aber das gehört halt dazu und mal ehrlich, man hätte ja auch ein klein wenig früher anfagen können zu lernen, oder?

Im Moment habe ich keine Prüfungen und auch Hausarbeiten bedrängen mich auch nicht, allein ein wenig Praktikumsvorbereitung (am 25. Februar gehts los) für die vier Wochen in Offenburg sind notwendig. Trotzdem finde ich es immer wieder erstaunlich, mit wie viele Regularien man sich als Student so herumschlagen muss.

Denn ich glaube, dass ist das, was uns Studenten eigentlich so zu schaffen macht. Vorlesungen, Seminare, Hausarbeiten und Prüfungen, alles kein Thema, aber dauernd muss man wegen irgendwas von Pontius zu Pilatus rennen. Heute zum Beispiel habe ich mich auf den Weg zur Uni gemacht um 50 Euro bei der Sekretärin unseres Lehrstuhls zu bezahlen für ein spezielles Seminarangebot (Deutscher Weinberater – normalerweise kosten auch unsere Seminare nichts). Für jede Strecke brauche ich im Winter bei Schneematsch mit Bus und Bahn eine gute halbe Stunde. Außerdem musste ich ja auch noch Geld abheben, da ich eigentlich nie mehr als 20 Euro in bar mit mir herumtrage. Wozu auch in Zeiten von Kredit- und EC-Karten? An der Uni stand ich dann vor verschlossener Tür. Und das obwohl ich mich extra im Internet informiert hatte, wann das Sekretariat geöffnet hat. Als geduldige leidensgeprüfte Studentin habe ich natürlich erstmal ein Weilchen gewartet, aber es tauchte niemand auf. Letztendlich hatte ich trotzdem Glück, eine Mitarbeiterin unseres Lehrstuhl hat mir die Kontodaten gegeben, sodass ich das Geld überweisen kann, die Fahrt war also nicht völlig umsonst.

Allerdings fragt man sich da schon: Muss das sein? Online Banking hat doch heute auch fast jeder. Und es gibt wirklich sinnvolleres als ein einhalb Stunden wegen – nun letztendlich wegen Kontodaten durch die Gegend zu fahren. Ich will mich ja nicht beschweren (ok vielleicht ein bißchen), aber sonst geht doch auch immer alles mit Onlineportalen, Lernplattformen, Einschreibeseiten, Terminabstimmung via doodle oder ganz altmodisch per Mail. Muss man da wirklich noch Geld persönlich abliefern?

Liebe Uni, reicht dir meine in vielfacher Ausführung vorhandene virtuelle Präsens nicht aus?

Das normale Leben

Dresden Anfang Februar. Draußen ist es kalt windig und nass und ich sitze bei einer Tasse Tee im Warmen vor meinem Computer. Ich bin Studentin im Urlaubssemster und habe folglich nicht übermäßig viel Stress. Antragsformulare für meine SHK-Stelle an der Uni abgeben, ein kurzes Gespräch mit einer Dozentin, Kaffeklatsch und Kuchen am Nachmittag. Ein Telefongespräch mit der Krankenkasse, einen Brief an eine Bank abschicken, auf eine Mail warten, die mir das Ausfüllen des Abschlussberichts für meinen Auslandsaufenthalt ermöglicht. Gelangweilt bin ich also auch nicht.

Das ist mein normales Lebens, dass andere Leben, das nicht an einer Krankenschwesternschule in Tschechien stattfindet. Mein wirklicher Alltag.

Eigentlich eine komische Formulierung, oder? Jana hat mir eine Mail geschrieben: Sie wünscht mir einen guten Start ins “normale Leben”. Ich weiß natürlich, wie sie das meint, aber ich finde es dennoch seltsam. Habe ich vier Monate im Außnahmezustand gelebt? Es kam mir gar nicht so vor. Oder ist Tschechien weniger normal? Kann man woanders als in der Heimat nicht normal leben? Wer bitte definiert denn was normal ist? Sollte nicht ein Blick über den Tellerrand für jeden Europäer heutzutage normal sein und meine Alltag im Ausland so normal wie Müsli zum Frühstück? Ich jedenfalls wünsche jedem eine solche ganz normale Erfahrung. Denn wenn man wieder kommt, ist das Normale auf einmal .. naja “weniger normal”!

Abschlussgespräche

Countdown: Nur noch acht Tage bis zu meiner Abreise.

Ein sicheres Indiz dafür, dass man bald abreist, ist das man auf einmal mit allen möglichen Leuten noch über alles Mögliche sprechen muss. Heute hatten wir zum Beispiel ein Gespräch mit der Schulleiterin. Das war nicht besonders spektakular: Alles ganz prima … blabla … hat viel Spaß gemacht … blabla … Eigentlich müsste ich länger bleiben usw. Dann haben wir noch ein wenig über die Probleme der Schule im Besonderen (Klassen etc.) und Allgemeinen (Schulpolitik in Tschechien) diskutiert, festgestellt das wir nichts ändern können – also ich defnitiv schon mal nicht – und uns gegenseitig für die super Zusammenarbeit gratuliert.

Mit Jana habe ich schon mehrfach meinen Aufenthalt hier ausgewertet, wir waren ja eigentlich immer im Gespräch und am Tüfteln. Das Ausfüllen des Europasses und des Abschlussberichtes, den Jana bei Comenius Tschechien einreichen muss, habe uns natürlich auch dazu gebracht nochmal zu überlegen, was ich eigentlich die ganze Zeit so gemacht habe hier. Jede Menge haben wir festgestellt: viele tolle Aktionen, Exkursionen und Ausflüge und ganz viele Erfahrungen, die ich in der Schule sammeln konnte. Eine Frage war allerdings ein wenig seltsam: Was hat die Assistenzkraft der Gemeinschaft vor Ort gebracht? Jana wollte (natürlich scherzhaft) schreiben: Sächsischen Wein und Dresdner Christstollen, was auch nicht falsch gewesen wäre. Aber das meinen die damit wohl nicht.

Das Formular für meinen Abschlussbericht ist noch nicht bei mir angekommen, bin gespannt, wann das soweit ist und was die alles so von mir wissen wollen…

Und der Countdown läuft …

Noch zehn Tage bis zu meiner Abreise.

Inzwischen müssen solche Dinge wie Abschiedsveranstaltungen in der Schule und eine kleine private Abschiedsparty geplant werden. Heute morgen bin ich von meiner Vermieterin überfallen worden, die ohne jede Vorwarnung mögliche neue Mieter angeschleppt hat (in meine unaufgeräumte Wohnung, wo der Wäscheberg vom Wochenende auf dem Fußboden lag …!) und denen erzählt hat, dass die Wohnung ab 1.2. frei ist. Das ist zwar nicht komplett falsch, aber sie erst abends frei. Das musste ich dann heute Nachmittag erstmal klarstellen. Mit ihrem Mann hatte ich das nämlich schon Anfang Januar besprochen.

Außerdem muss man an so viele Regularien denken. Das Europass dokument, das Papier, dass ich am letzten Tag unterschreiben und an den Pädagogischen Austauschdienst faxen muss. Mein Abschlussbericht (wobei ich im Moment noch darauf warte, dass mir jemand das Formular zuschickt) für den diese Aufzeichnungen hier eine wichtige Gedächtnisstütze sind.

Ach ja und am Wochenende gehen wir vielleicht nochmal Skilaufen, diesmal aber in der Nähe :). Ans Packen mag ich noch nicht denken, aber das sollte auch nicht so viel Zeit in Anspruch nehmen. Zumal ich fast den ganzen 1. Februar dafür Zeit habe, da hier dann eh Zeugnisferien sind und meine Assistenzzeit vorbei sein wird.

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