Annas Blog

Tag: TU Dresden (page 1 of 2)

Sonntag war ein bischen wie der 1. April. Seit ich Smartphone-Besitzerin bin, ist das E-Mail-checken vor dem Frühstück zur alltäglichen Gewohnheit geworden. Sogar Sonntags. Warum ich das tue, weiß ich eigentlich selbst nicht. Schließlich ist das Meiste nur Werbung und Spam und der Rest könnte getrost noch ein Weilchen warten, aber man kann ja nie wissen, ob man nicht doch was wichtiges verpasst.

Sonntag Morgen also nach dem Duschen, der Blick aus Handy. Ungläubiges Kopfschütteln als ich folgende Zeilen Lese: “Ablauf ihres ZIH-Logins” Ich werde darauf hingewiesen, dass mein Login (an der TU Dresden) in zwölf Tagen gesperrt wird. Mögliche Gründe: Ich wurde als Student exmatrikuliert oder als Mitarbeiter endet mein Vertrag. Continue reading

Es gibt Texte von Goethe, die erst nach seinem Tod veröffentlich wurden und die eigentlich zu Faust I (Walpurgisnacht)* gehören. Goethe hat sich hier selbst zensiert, wohl wissend, dass diese “Schweinereien” auf wenig Gegenliebe beim zeitgenössischen Publikum gestoßen wären. Ich möchte euch selbige aber auf keinen Fall vorenthalten, waren diese Passagen doch auch für mich völlig neu.

So rät der Satan jungen Männern und Frauen Folgendes:

„Es gibt zwei Dinge

so herrlich und Groß, Continue reading

Stadtsommerimpressionen

Heute wieder von Baulärm aufgewacht. Schlafen bei offenem Fenster ist gerade im Sommer oft wenig erholsam. Temperaturtechnisch hat es auch kaum was gebracht.

Gestern Mittag mit dem Rad zur Uni 35 °C, die Sonne brennt von oben, der Asphalt schmilzt unterm Rad weg. Fast wäre ein Flip-Flop kleben geblieben.

Unsere Wohnung hatte gestern Abend gemütliche 29,6 °C, an warmes Essen nicht zu denken, an kühlen Weißwein schon. Den aber lieber auf der Wiese vorm Haus und erst wenn die Sonne weg ist.

Eine Schale Erdbeeren von der Nachbarin aus dem Erdgeschoss. Geschenkt – sie hat einen Schrebergarten um die Ecke. Wenn Sonne nach was schmecken würde…

Gestern Abend halb zehn: Sommergewitter mit viel Regen und Wind. Alle freuen sich!

Vorlesung im Hörsaalzentrum. Zunächst Erleichterung: es ist drinnen kühler als draußen. Später Ernüchterung: Festkleben am Sitz, das Papier klebt am Arm, der Stift in der Hand. Wo ist bloß die nächste Dusche? Oder das nächste Schwimmbad. Mist, das hat noch geschlossen: Hochwasserschaden.

Dozentin: “Man hat uns frei gestellt, die Veranstaltungen heute ausfallen zu lassen. Wenn Sie möchten können Sie also gehen.” – Keiner rührt sich. Wir sind ja grad erst angekommen und wohin sollte man auch gehen? Draußen ist es noch heißer…

Zweimal geduscht und eingecremt mit Sonnencreme. Vorm Anziehen schon wieder duschen gehen wollen.

Aber ganz ehrlich: Ich liebe den Sommer!

Über Tigerbananen und die jugendliche Säure der Domina

Aber eigentlich ein Text darüber, wie ich Anerkannte(r) Berater(in) für Deutschen Wein werde.

Es ist kaum zu glauben, aber dieses Zertifikat ist durch ein zweitägiges Seminar mit einem Stundenumfang von ca. 11 Stunden (mit Pausen, inklusive Zeit für den Abschlusstest) zu erlangen. Kostenpunkt 50 Euro, angeboten durch das deutsche Weininstitut, das sich selbst als neutrale Werbeinstitution bezeichnet. Neutral, weil sie deutschen Wein ohne Außnahme bejubeln, Werbung – naja es geht halt nur um deutschen Wein. Ich finde zwar die semantische Kombination von neutral und Werbung sehr fragwürdig, aber das ist schließlich nicht Thema dieses Textes.

Ich weiß, wie ich während des Seminars festgestellt habe, eigentlich eine Menge über Wein. Das ist natürlich bedingt durch mein Studium, aber auch die Folge von persönlichem Interesse. Rotling vs. Rose? – Kein Problem. Herstellung? – Geschenkt! Anbaugebiete? – Musste ich sogar selbst schon mal unterrichten.

Deshalb hier eine kurze Zusammenfassung dessen, was ich trotzdem noch gelernt habe:

  • Die Lebensverlängernde Wirkung von Wein ist minimal (so 1 – 1,5 Jahre behauptet der Mann vom deutschen Weininstitut). Wie sie das wohl erforscht haben? Egal – Fazit des Vortragenden: “Man kann sich mit Wein nicht in die Ewigkeit saufen!” Ach ne, aber in die Seeligkeit vielleicht.
  • Es gibt eine Rebsorte Namens Domina, die nichts mit Frauen in Lack und Leder zu tun hat. Frage an euch: Warum gehen Männer zu einer Domina? (Bitte im Kommentar antworten)
  • Ich weiß jetzt wie Württemberger ihre Gäste behandeln. Wenn der Besuch da ist Trollinger, ist er weg den guten Lemberger. Falls ich mal in Württemberg zu Besuch bin, sollte ich mir das merken. Kann man eventuell die Wertschätzung des Gastgebers dran ablesen.
  • Riechzellen: Hühner haben nur 15, Menschen irgendwas im Millionenbereich und Hunde etliche Milliarden. Der Hund würde die Flasche Riesling also eher finden als ich. Nutz ihm aber nix, er bekommt den Korken nicht raus. Das Huhn, tja da würde jetzt der Spruch mit dem blinden Huhn und dem Korn passen. Eventuell hat es ja Glück.

Gegen Ende gab es eine achtteilige Weinverkostung. Farbe und Aussehen, Geruch und Geschmack sollten ermittelt werden. Ich bin ehrlich, ich trinke gerne Wein und ich weiß was Säure undwas  Süße ist. Auch Gerbstoffe kann ich schmecken. Grobe Zuordnungen wie erdig, blumig oder fruchtig lasse ich mir auch noch gefallen. Aber was ich beim besten Willen nicht schmecken konnte:

  • Jugendliche Säure – wie jetzt jugendlich? Nerviger Teenager oder was?
  • Drops-Note: angeblich ein Fachbegriff dafür, dass man Eisbonbons erschmeckt/erriecht.
  • Tiegerbanane: auch reife Banane (wegen der braunen Streifen) – Tja also süß und etwas fruchtig halt…?
  • Leichte Petrolnote. O-Ton des Seminarleiter: “Denken Sie mal an Feuerzeugbenzin!” – Ja ne, is klar..

Auch sonst habe ich oft eher die Schultern gezuckt, wenn er begeistert “grüne Paprika!”, “eindeutig Quitte!” oder “reifer grüner Apfel!” verkündete. Aufzählen können hätte ich das übrigens auch. Wir hatten ja morgens eine schöne Übersicht bekommen, welche Rebsorte welchen Charakter hat und wozu gut geeignet ist. Dabei waren dann übrigens tatsächlich auch ein paar ganz brauchbare Dinge, die ich noch nicht wusste. Zum Beispiel soll man Blauschimmelkäse lieber mit einem edelsüßen Weißwein trinken statt mit Rotwein. Dass man Fisch gut zu mildem Rotwein trinken kann – oder war es umgekehrt?

Egal, morgen schließe ich das Seminar ab und bin dann anschließend sehr anerkannt. Ahnung habe ich dann allerdings nicht viel mehr als vorher. Und eventuelle Flapsigkeiten in diesem Text bitte ich zu verzeihen, wie gesagt ich musste gerade acht Weine durchprobieren…

Meterologisches

Es gäbe eine Menge Dinge, über die ich schreiben könnte. Da war zum Beispiel die Umweltringvorlesung vom Donnerstag, über die ich schon öfter berichtet habe. Emeritierter Prof aus Leipzig klärt uns darüber auf, wie wir den Kapitalismus retten können. Ich hatte sogar schon eine Überschrift. Und einen Lieblingssatz. “Kapitalismus ist ein irres Zufallsprodukt der Geschichte.” Hat er so gesagt, könnte schon stimmen. Weiß ich alles nicht, von Wirtschaft habe ich einfach nicht genug Ahnung.

Oder ich könnte über mein Team- und Konflikttraining-Workshop schreiben, an dem ich in den letzten beiden Tagen teilgenommen habe. Am lustigsten war das Rollenspiel in dem ich als Chefin einen Mitarbeiter zusammenstauchen sollte, weil er irgendwas noch nicht fertig hat. Der Typ war mindestens einen Kopf größer als ich.

Aber eigentlich beschäftigt mich im Moment nur das Wetter. Bei jedem Blick aus dem Fenster fragt man sich nach über einer Woche Dauerregen, wann denn nun endlich mal wieder die Sonne scheint. Wo der Juni und damit der Sommer bleibt. Wobei, hatten wir denn sowas wie Frühling? Wind und Regen und noch mehr Regen und Wind mit Regen und Regen mit Wind und ab und zu mal ein Gewitter und … Wenn ich genug Holz hätte würde ich eventuell anfangen über einen Bootsbau nachzudenken. So frage ich mich nur immer wieder: Lieber Petrus, wo bleibt die Sonne?

Die Alternative: Zum heulen

Vegan ist klasse! Ich fühle mich super, das Essen schmeckt und ich vermisse nichts. Naja manchmal den Käse, aber ich kehre ja zum Vegetarierdasein zurück und bleibe nur 70-80 Prozent Veganer*. Besonders in einer Hinsicht bin ich wirklich froh darüber. Die Mittagessen suche auf dem Campus wird dadurch viiiel einfacher.

Beim morgendlichen Speiseplancheck fiel mir wieder ein, dass unsere größte Mensa zwar ein ganz akzeptables veganes Angebot hat, aber dieses die komplette Woche nicht wechselt. Karotten-Kartoffel-Curry hatte ich gestern schon. Soja-Geschnetzeltes mit Paprika? – Ne danke ich verzichte! Die einzige vegane Pastasoße, die das Mensapersonal kennt, scheint “fruchtige Tomatensoße” zu sein. Die unterscheidet sich übrigens weder geschmacklich noch von der Konsistenz her von der “fruchtigen Tomatensuppe” die es an der Suppenbar gibt.

Also habe ich mich auf den etwas weiteren Weg zur anderen großen Mensa gemacht. Zur “Alten” die eigentlich unsere Neue ist. Dort gibt es nicht viel vegane Auswahl (abgesehen vom Salat). Aber es gibt vegetarisches Sushi. Was natürlich zugleich vegan ist, da an Algenblättern, Reis und Co schließlich keine Milchprodukte oder Eier dran sind. Im Selbsttest habe ich dann mal wieder probiert, wie viel Wasabi ich verkraft.

Ergebnis: Jede Menge, aber er hat mir die Tränen in die Augen getrieben. Wie schon gesagt, die Alternative war zum heulen ;).

 

*Ja, mir ist durchaus klar, das man nur ganz oder gar nicht Veganer sein kann. Aber ihr wisst, was ich meine.

Fremdschämen

Manchmal gibt es wirklich nichts schlimmeres als Lehramtsstudenten, die an den Seminaren von Nicht-Didaktikern herumkritteln. Unter dem Motto ‘Sozialpsychologie für Lehramtstudenten’ werden in dem Seminar Themen wie Agression, Intergruppenverhalten, Stereotypen und Vorurteile behandelt. Letzteres stand für die heutige Sitzung auf dem Programm.

Die junge und sehr motivierte Dozentin hatte zu den 50 Seiten Grundlagentext ein Tafelbild vorbereitet, dass im Gespräch ergänzt werden sollte. Auf einer Präsentation hatte sie zusätzliche Beispiele und Studien vorbereitet. Zugegeben ihre Tafelschrift ist nicht soo toll, aber man kann alles lesen. Ich fands übersichtlich.

Doch schon nach fünf Minuten die erste nicht thematische Meldung:

Studentin 1: “Es tut mir leid, aber ich kann gerade nicht nachvollziehen, worauf sie mit dem Tafelbild hinaus wollen!”

Dozentin: “Naja, wir ergänzen jetzt die Informationen aus dem Text, den sie lesen sollten.”

Studentin 1: “Mhh, ok … .” (Man merkt sie ist unzufrieden, wartet aber noch.)

Zehn Minuten später:

Student 2: “Warum schreiben Sie das jetzt dort hin, ich hätte das dem Oberbegriff xy zugeordnet?!”

Dozentin (ergänzt Querverweis): “So etwa?!”

Student 2: “Ja, wobei wir eventuell noch eine weitere Überkategorie bräuchten!”

Der Typ geht mir schon seit der ersten Veranstaltung auf die Nerven. Da hat er sich beschwert, dass er das alles schon mal gehört hat, weil er doch WISO* im Zweitfach studiert und deshalb ein halber Soziologe ist. Dabei hätte er durchaus ein anderes Psychologieseminar besuchen können. Es zwingt ihn ja keiner, oder?!

Die Dozentin passt das Tafelbild den Wünschen entsprechend an. Doch auch das hilft nicht mehr.

Stundetin 1: ” Also ich hätte das ja anders aufgebaut, wenn sie das vertikal statt horizontal …”

‘Bleibt beim Thema, Leute!’, denke ich, während ich schnell mal checke, in welcher Mensa ich heute was veganes zu essen bekomme. Aber meine Komilitonen sind nicht mehr zu bremsen.

Student 2: “Also in der Didaktik lernt man, dass Tafelbilder …”

Das ist der Punkt, an dem ich nur noch im Boden versinken möchte. Jetzt belehrt er doch echt die Dozentin, wie sie ihr Tafelbild zu machen hat. Mitten im Seminar! Eigentlich sollten wir über Vorurteile und Stereotypen sprechen. Brauchen wir aber nicht. Er erfüllt das vom besserwisserischen Lehramtstudenten und zukünftigen oberschlauen Lehrer** schon ganz prima.

Das traurige daran ist, dass das Duo es tatsächlich geschafft hat, die Dozentin soweit zu verunsichern, dass sie das Tafelbild abwischt und beginnt es neu zu malen. Was für eine Zeitverschwendung! Aber jetzt einfach gehen will ich auch nicht, das verunsichert sie womöglich noch mehr.

Ich harre aus. Tafelbild 2.0 wird übrigens nicht besser. Das infernalische Duo kann sich nämlich bei diversen Begriffszuordnungen nicht einigen “Naja, schreiben sie es mal dazwischen!” – Ja, vieel besser. Ihr werdet bestimmt mal großartige Lehrer! *Seufz*

 

* WISO – auch Wirtschaft und Sozialkunde: ein Fach, das es nicht in allen Bundesländern gibt. In Niedersachsen hieß das Politik, andere sagen nur Sozialkunde dazu. Die Schwerpunkte sind glaube ich auch verschieden, aber dazu kenne ich die Lehrpläne nicht gut genug (wozu auch, mein Zweitfach ist ja Deutsch!).

** Ich weiß natürlich, dass Lehrer nicht alle so sind und Lehramtstudenten schon gar nicht. Aber in den vielen Seminaren, die ich schon hatte, war schon der ein oder andere “Profi-Besserwisser” dabei.

Auf den Schlips getreten – der Unmut der Ökostudenten

Er sei der, der die “Rolle des Arschlochs” übernimmt, stellt sich Spiegelredakteur Alexander Neubacher den versammelten Studenten der Vorlesung “Öko-verse Theorien” vor. Wie recht er hat, wird in den folgenden 90 Minuten schnell deutlich. Der Hörsaal ist im Vergleich zur letzten Veranstaltung deutlich voller und nicht wenigen scheint sein Buch “Ökofimmel” bekannt zu sein, ich gehöre nicht dazu.

Er polemisiert, argumentiert und erklärt. Er stellt Fragen und veruteilt, Schlagworte reihen sich an überspitzte Pointen. Er entwirft ein Bild unseres Landes und unseres Zeitgeists, in dem sich manch einer gespiegelt fühlen wird.

Glauben Sie auch an die Wiedergeburt des Joghurtbechers, der doch eigentlich thermisch verwertet (verbrannt) wird?

Denken Sie ebenfalls Biosprit sei gut für die Umwelt?

Benutzen Sie die Begriffe ‘Öko’ und ‘Bio’ ebenfalls synonym?

Ist es wirklich besser jetzt den eingelagerten Bioapfel vom letzten Herbst zu kaufen, statt den konventionellen aus Neuseeland? (aus ökologischer Perspektive)

Müssen wir in Deutschland wirklich Wassersparen? Mal davon abgesehen, dass das gut für den eigenen Geldbeutel ist?!

In erster Linie kritisiert er die Umweltpolitik, die sich in den letzten Jahrzenten eine “Ökopleite” nach der anderen leistet. Warum ist das so, warum rennen alle, wenn es um ökologische Themen geht sofort blind drauflos? Er macht dafür maßgeblich zwei Dinge verantwortlich:

1. Ökologie und Umweltschutz ist zumeist eine Glaubensfrage. Sie wird gleichsam zu einer Art Ersatzreligion, was sich an den damit verbundenen Begrifflichkeiten wie ‘Sinflut, Apokalypse, Umweltengel’ leicht zeigen lässt. Wer auf der Seite der Umwelt steht ist also moralisch auf der guten Seite und damit per se im Recht. Allein die gute Absicht macht immun gegen Kritik, als ob es nicht tausende von Beispielen dafür gäbe, dass Menschen aus den richtigen Gründen das falsche tun.

2. Deutsche Gründlichkeit, die dazu führt, dass seit Entstehung des Umweltministeriums Gesetze und Behörden noch und nöcher entstanden sind, die uns bis zur Erstickung verwalten und ein kleinen Stellschräubchen drehen, deren Wirkung dann entweder verpufft oder sogar das Gegenteil des Gewünschten bewirkt.

Herr Neubacher, der sich neben dem “Arschloch” auch noch als Mann vom Prenzlauer Berg mit vier Kindern und fünf Mülltonnen charakterisiert, gibt an selbst überzeugter Umweltschützer und Bioladenkäufer zu sein. Er möchte nur aufrütteln und die Menschen dazu bringen, ihre festgefahrenen Rituale zu überdenken. Wir sollten nicht nur symbolisch handeln, um unser schlechtes Gewissen zu beruhigen. Lösungen bietet er allerdings nicht viele an. Wenn es nichts bringt den Stromanbieter zu wechseln, dann ist die einzige Lösung das Aufkaufen von CO2-Zertifikaten (an der Börse gehandelt), das ist allerdings für Privatpersonen nicht so ganz einfach.

Der Spiegelredakteur geht von einem positiven Menschenbild aus. Er möchte weder den Kapitalismus noch den Fortschritt verdammen und sieht in letzterem unsere große Chance alle Umweltprobleme von heute in der Zukunft zu lösen. Und vor allem mag er keine dogmatischen Umweltschützer, Menschen, die anderen diktieren wollen, was richtig und was falsch ist und die sich über andere moralisch erheben. Er wehrt sich gegen jede Art der Ökodiktatur.

Mit dem herausfordernden Satz: “Wer schütz die Umwelt vor den Umweltschützern?” schließt er seinen Vortrag und lädt zu Diskussion ein. Er weiß, dass er provoziert und er weiß auch, dass vielen nicht unbedingt gefällt, wie er was darstellt. Etliche der studentischen Wortmeldungen zeigen dies nur zu deutlich.

So werfen sie ihm mehr oder weniger wortgewandt und wütend vor, er würde die Ökobewegung generell schlecht finden (habe ich so nicht herausgehört), er würde die positiven Seiten der Biobewegung einfach unterschlagen (?) und er würde den Ökogegnern in die Hände spielen (vielleicht, aber wir haben schließlich Meinungsfreiheit in disem Land, oder?).

Einige scheinen vor allem darüber erbost zu sein, dass all das, was sie in ihrem Alltag machen, was jeder einzelne tun kann, nicht anerkannt wird. An dieser Stelle versucht Herr Neubacher die Studenten zu beruhigen und erklärt ihnen, dass er die “Graßwurzelbewegung” (das Fußvolk der Umweltschützer) sogar sehr gut findet. Seine Kritik richtet sich vor allem auch gegen die politischen Instrumente.

Die Spannung im Hörsaal ist trotzdem greifbar und ich habe wirklich noch nie im Anschluss an irgendeine Vorlesung so eine lebhafte Diskussion erlebt. Mir persönlich hat es Spaß gemacht. Ich habe noch nie verstanden, warum so viele Menschen ihre Meinung zu Themen wie Ökologie und Wirtschaft zum Teil auch Politik immer wie Glaubensfragen vertreten müssen. Ich dachte immer in einer aufgeklärten Gesellschaft ist das in Frage stellen, das Zweifeln und Überlegen nicht nur erwünscht sondern gewollt.

Aber ich kann viele der aufgebrachten Studenten natürlich auch verstehen. Es hinerlässt ein schales Gefühl, wenn man gesagt bekommt: “vieles von dem, was du da tust, ist nicht hilfreich”, vor allem, wenn man sich doch wirklich Mühe geben will. Wenn man wirklich glaubt, damit etwas zu verändern und nicht nur “Greenwashing” für sein eigenes Leben betreibt. Und wenn der Berg der aufgeworfenen Fragen um so viel höher ist, als die paar Antworten, die zur Verfügung stehen, dann steht man nach jede Menge Aufklärung am Ende ein wenig ratlos da.

Auf der anderen Seite steht ja auch am Anfang jeder guten wissenschaftlichen Arbeit die Frage. Ohne die richtigen Fragen sind wir nicht in der Lage die Antworten zu suchen geschweige denn zu finden. Seien wir also nicht verärgert, sondern bleiben aufmerksam und neugierig und machen uns auf die Suche:

nach Antworten!

 

Containerdenken und Weltanschauung

“Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nicht angeschaut habe.”

Mit diesem Zitat Alexander von Humboldts schloss der Professor aus Zittau seine Vorlesung zum Thema “Globalisierung – Wie abgeflacht ist unser Denken?” In den letzten 1,5 Stunden habe ich viel gelernt. Der Globalisierungsbegriff mag zwar relativ neu sein, die zugehörigen Prozesse sind schon sehr alt und gerade in Europa hat es sie schon in den verschiedensten Epochen mehr oder weniger stark ausgeprägt gegeben. Zudem gehören zur Globalisierung eine Vielzahl von Prozessen und nicht nur die oft im Fokus stehende Wirtschaft. Die Auswirkungen sind in allen Bereichen unseres Lebens zu spüren und sehr vielfältig.

Die großen Problemfelder der Globalisierung “Arbeitsschutz, Menschenrechte, Umweltschutz, Korruptionsbekäpfung” kennt inzwischen jeder.

Eines der großen Probleme der Wissenschaften, die sich mit Globalisierung beschäftigen ist es übrigens, dass sich Prozesse nicht mehr in geschlossenen Systemen darstellen lassen. Volkswirtschaft? Ein Konstrukt, das nicht mehr existiert (vielleicht nie existiert hat). Nationalstaaten? Linien auf einer Karte, deren Bedeutung schwindet. Wissenschaften? Wissen in Schubladen und Container, die in der Realität nicht existieren. Aber wir sind gewohnt so zu denken. In Container. Alles quadratisch, praktisch und gut. Leicht zu handhaben. Überschaubar. Nur – wer so denkt, wird die Prozesse einer globalisierten Welt nicht verstehen. [Als Trost sei an dieser Stelle angemerkt, dass die Wissenschaftler auch noch keine funktionierenden Theorien haben und daher die Prozesse auch nicht verstehen, sie geben es nur ungern zu.]

Auf der Machtebene betrachtet bedeutet Globalisierung vor allem den Machtverlust der Nationalstaaten. Mit den Worten des Dozenten: “Alles wir privatisiert und Politiker fühlen sich immer noch so wichtig wie früher” aber er konnte uns berühigen: “Keine Angst – von Frau Merkel werden wir noch ein Weilchen was haben!”

Machtgewinn bedeutet die Globalisierung für Konzerne (nicht überraschend), NGOs (Nicht Regierungsorganisationen wie ATAC) – Organisationsmittel der Zivilgesellschaft, die auf globalpolitischer Ebene immer wichtiger werden, – und nicht zuletzt die Medien.

Die Macht der Medien ist gerade heutzutage riesig, sodass das Sprichwort “Wenn in China ein Sack Reis umfällt…” nicht mehr gültig ist, da es sehr wohl interessiert, was in China, Brasilien oder Australien passiert. Allerdings muss dies durch die Medien richtig vermittelt werden. Und das ist das große Problem unserer Zeit. Wir wissen gleichzeitig zu viel und zu wenig. Wir können uns alle Informationen über alles aus dem Internet ziehen und Texte darüber lesen und doch wissen wir nichts. Weil wir immer auf Selektion und Aufbereitung durch Dritte angewiesen sind. Weil ein einzelnes Bild oder ein Text, nie das Gesamte zeigt. Weil hinter jedem Text die Intention des Schreibers steckt, mag sie noch so edel und gut sein.

Anschaulich gemacht hat er uns diese Problematik anhand des zweiten Golfkrieges und der damaligen Berichterstattung (an die sich mit Sicherheit keiner der anwesenden Studierenden erinnern konnte) über den sogenannten “chirurgischen Krieg”, der den Menschen, die die ängstliche Lähmung des kalten Krieges und dem drohenden Atomkrieg erlebt haben, gezeigt hat: “Seht her, Krieg führen ist wieder möglich!”. Das die Intentionen hier weder edel noch gut waren, steht wohl außer Frage.

Informationen sind also wichtiger denn je in der heutigen Zeit und zugleich ebenso problematisch. Denn wenn wir das interpretative Paradigma: “wenn Dinge für wahr gehalten werden, dann sind sie in ihrer Konsequenz wahr” als gegeben annehmen. Dann sind falsche, unvollständige und falsch interpretierte Informationen unglaublich gefährlich. Es klingt krass, wenn jemand behauptet, dass in unserer heutigen Zeit “Kommunikationswaffen den Massenvernichtungswaffen überlegen sind”. Nichts desto trotz haben viele Informationen dieser Kommunikationsmittel (-waffen?) erstaunliche Auswirkungen. Um das zu begreifen, muss man sich nur die Politik der Bundesregierung in den letzten Jahren anschauen. Wie sonst ist es möglich, dass ein Tsunami am anderen Ende der Welt zum Atomausstig in Deutschland führt?

Und die Schlussfolgerung?

Bleibt nicht vorm Rechner sitzen. Stellt Dinge und Informationen in Frage. Nehmt nicht alles als gegeben hin und geht hinaus und schaut euch die Welt mit eigenen Augen an! Denn wie sagte schon Alexander von Humboldt? “Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nicht angeschaut habe.”

“Genau!” oder 180 Minuten Literatur mit Zusatzpaket

Als ich noch zum Gymnasium ging, habe ich Ähnliches schon einmal erlebt. Ein Lehrer, der Referate verteilt und dann dem Referenten permanent ins Wort fällt. Natürlich kann und sollte man bei ganz gravierenden Problemen eingreifen. Aber unser Literaturdozent, den ich vor zwei Wochen noch gelobt habe, redet offensichtlich so gerne, dass er Referate für unerträglich hält.

Schon bei Folie zwei im ersten Vortrag sprang er auf und schmetterte “Genau!” durch den Raum. Dies allerdings nicht als Zeichen der Zustimmung, sondern weil die Referentin seiner Meinung nach zu lange bei einem aus seiner Sicht irrelevanten Thema verharrt hat. Danach stieg er in die Diskussion mit ein, fragte hin und wieder mal den Rest der Seminarteilnehmer nach Informationen und redete ansonsten selbst. Die Referentin des ersten Vortrags (90 Minuten) schaffte drei (!) Folien ihrer Präsentation. Vorwiegend stand sie dekorativ vorne im Raum. Setzte sie doch noch einmal an wurde sie “Genau!” unterbrochen und unser Dozent verkündete wieder lautstark seine Meinung. Nebenher diskreditierte er noch unstudierte Theatergänger: “Nehmen Sie mal jemanden, der nicht Germanistik studiert hat – auch solche Leute dürfen ja ins Theater. Ist zwar Schade, aber sie dürfen!” ereiferte er sich. Mit einem Augenzwinkern zwar, aber trotzdem.

In der zweiten Doppelstunde bestand das Referantenteam zu den “Leiden des jungen Werther” aus zwei Studentinnen. Eine davon hat sich das Rederecht merhmals zurückerkämpft. Allerdings nie lange.

Nach 180 Minuten “Werther” und “Götz” und jede Menge “Genau!” habe ich mich wie überfahren gefühlt und war nicht unbedingt begeistert, als er die Referenten für die nächsten zwei Doppelstunden, zu denen auch Lena und ich gehören, noch in seiner anschließenden Sprechstunde sehen wollte. Das ging dann aber recht zugüg, wobei es auch kein Gespräch sondern ein Monolog seinerseits war. Lenas und mein Beitrag bestand aus nicken, mitschreiben und mehreren  “mhm” in größeren Abständen. Da er uns Vorgehen, Literatur und Gliederung diktierte, gab es auch nichts, wozu man hätte Fragen stellen können…

Genau!

Ansonsten bin ich sicher, dass ich auf dieses arme kleine Wörtchen, das viele Deutsche recht inflationär benutzen (meine tschechischen Schüler hat das immer verwirrt, ich benutze es nämlich auch ganz gerne), am Ende des Semesters allergisch reagieren werden. Erste Anzeichen dafür gab es schon gestern:

Ich: “Wir sehen uns dann morgen!”

Lena: “Ge … Richtig!”

Wir mussten beide lachen, aber wir wussten auch, dass wir dieses “genau”  bald ebenso hassen werden, wie wir Phrasen anderer Dozenten zu hassen gelernt haben und nicht mehr werden vergessen können. Den Klang der Stimmen dazu haben wir immer noch im Ohr.

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