Annas Blog

Category: Leben in Tschechien – Alltag im Auslandssemester (page 1 of 4)

Letzter Tag

Es war ein langer und intensiver Tag, mit zu viel Kuchen und jede Menge Gelächter (davon kann es nie zu viel geben). Den Vormittag habe ich damit verbracht mit verschiedenen Klassen meine selbstgebastelten Aktivity Varianten zu spielen und schon das war teilweise ziemlich lustig. Von Seiten der Schüler gab es zudem noch jeden Menge Feedbackbögen, Tee und eine Tasse, gute Wünsche und zwei Umarmungen.

Die offizieller Abschiedsfeier in der Schule fand gegen 13:00 Uhr statt und war ein wenig seltsam. Zunächst hatten Jana und ich schon bedenken, dass keiner kommt und der viele Kuchen (der übrigens gelobt wurde – Danke an die Rezeptgeberin!) nicht gegessen wird. Dann kam ein Teil und einige wichtige Peronen, wie die stellvertretende Schulleiterin, ohne die wir zunächst nicht nicht anfagen wollten, fehlten. Irgendwann haben wir dann doch zumindest schon mal Kuchen gegessen. Ein Gespräch wollte zu diesem Zeitpunkt leider nicht so richtig in Gang kommen, das lag eventuell an der Anwesenheit der Schulleiterin. Mein Abschiedsgeschenk von seiten der Lehrer war ein Fotobuch mit Bildern der Klassen und der Schule, sowie meiner Zeit an der Schule und den Ausflügen, die ich so gemacht habe. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Nachdem dann offiziell noch was gesagt worden war, saßen alle noch ein weiteres Weilchen verkrampft rum, bis uns das Klingeln zur Stunde und die Tatsache, dass einige (auch Jana und ich) noch unterrichten mussten, erlöst hat.

Nach der Schule haben ich noch ein paar Dinge für den Nachmittag eigekauft und bin eigentlich sofort weiter zu Jana, da der inoffizielle Teil auf den Nachmittag vorverlegt wurde. Das Problem war nämlich, das einige ihren letzten Bus bekommen mussten und daher sonst nicht gekommen wären (ein “Ja, aber” war übrigens anwesent, es heißt also doch nicht immer “Nein”).

Es war eine gesellige und lustige Runde mit noch mehr Kuchen, verschiedenen Leckereien und Wein. Wir haben wirklich viel und herzhaft gelacht, wenn gleich ich jetzt schon gar nicht mehr weiß worüber alles. Ich habe außerdem noch ein Zeugnis bekommen auf dem ich bewertet wurde (Verhalten = sehr gut; der Versuch im Unterricht Witze zu machen = sie wurde bei ernstzunehmenden Versuchen beobachtet; Aussprache komplizierter tschechischer Wörter = beim zweiten Versuch hat es immer geklappt; die Fähigkeit als Tschechin durchzugehen = ausgezeichnet, solange sie nicht spricht; wobei ich für Verständigung auf Tschechisch immerhin = ein großes Lob für meine Bemühungen bekommen habe). Alles in Allem habe ich also ein paar schöne Andenken bekommen.

Nachdem sich die Versanstalltung gegen halb neun weitestgehend aufgelöst hatte, habe Jana und ich beschlossen uns zum Quatschen noch in der Teestube niederzulassen. Das war super, weil ich dort auch noch meinen Lieblingstee kaufen konnte (alle, die mich besucht habe, wissen, welchen ich meine!). Ein Superabschluss für einen schönen Tag. Wobei es vielleicht nicht die allerbeste Idee war um halb zehn Abend eine Kanne schwarzen Tee zu trinken, aber wer braucht schon Schlaf, wenn er so viel Spaß haben kann ;).

Abschied ist ein interesanntes Wort, in dem auch immer ein wenig Wehmut und Traurigkeit mitschwingt. Aber ich empfinde das nicht so. Ich habe in diesen vier Monaten die Möglichkeit gehabt neue, tolle Menschen kennenzulernen und das ist kein Grund traurig zu sein. Ich habe jede Menge Erfahrungen sammeln können. Kein Grund zum heulen, oder? Ich bin sehr froh darüber, dass ich diese Erfahrungen machen konnte und ich habe es nicht eine Sekunde bereut! Und deshalb bin ich einfach nur glücklich, auch über den Abschied, denn der gehört dazu.

Countdown: Morgen reise ich ab.

Ja, aber… = Nein

Die Tschechen sind ein höfliches Volk. Sie sind normalerweise erstmal zu jedem freundlich und schimpfen lieber hinter dem Rücken desjenigen. Das ist nicht böse gemeint, sie wollen ja nur höflich sein und jemandem alles ins Gesicht sagen wäre doch nicht nett, oder?

Diese Woche habe ich außerdem gelernt, dass sie nicht gerne “Nein” sagen. Am Freitag haben wir eine Kollegin gefragt, ob wir nach dem Skifahren eventuell zum Kaffee vorbei kommen dürfen. Ihre Antwort war recht ausschweifig und die Kurzfassung könnte lauten: “Klar kein Problem, aber ich weiß noch nicht ob ich da bin, evtuell bin ich nicht da, aber falls ich da bin gerne.” Im Klartext heißt das “Nein”. War mir nicht sofort klar, aber Jana hat mich darauf hingewiesen, sie wollte es uns nur nicht ins Gesicht sagen. Aber außer mir hat es ja auch jeder sofort verstanden.

Gestern habe ich zwei Kolleginnen, mit denen wir normalerweise in die Kantine gehen, zu der inofiziellen Abschiedsfeier am Donnerstag eingeladen. Sie haben beide “Ja” gesagt und ein ziemlich langes aber hinterher geschoben. Also werden sie nicht kommen. Jana meinte nur: “Naja, dann haben wir schon mal genug Wein da.” Eigentlich hätte ich es verstehen müssen, aber auch hier hab’ ich das nicht sofort kapiert.

Beim Schreiben überlege ich die ganze Zeit, ob ich sowas auch mache. Ich kenne jedenfalls genug Beispiele in meinem Verwandtschafts-/Bekanntenkreis, die sich ebenso Verhalten. Und da regt es mich jedesmal auf. Also Leute falls euch das mal bei mir auffällt, macht mich rechtzeitig drauf aufmerksam, ich will so nicht sein. Ich glaub’, ich bin lieber unhöflich :).

Countdown: Immernoch drei Tage bis zu meiner Abreise.

Letztes Wochenende: Sonntag

Countdown: Noch fünf Tage bis zu meiner Abreise.

Bin leider zu müde um diesen tollen Tag ausführlich zu beschreiben. Erfahrungen im Abfahrtsski gesammelt, gebastelt und die letzten Unterrichtstunden vorbereitet, beim Bowlen schon ein wenig Abschied gefeiert, alles in allem ein super Tag!

Wünsche euch eine gute Nacht!

Mein letztes Wochenende: Samstag

Countdown: Noch sechs Tage bis zu meiner Abreise.

Es ist saumäßig kalt heute, heute Nacht ungefähr -20°C (ich habe keine Möglichkeit das zu prüfen, aber es wurde mir so erzählt). Im Moment so -10°C, was Jana und mich aber nicht davon abgehalten hat auf Langlaufski zu steigen. Hier ganz in der Nähe gibt einen Golfplatz (für die, die schon hier waren: hinter dem Schloss Konopiste), der im Winter mit Langlaufstrecken und einem Hügel zum Abfahrtski üben für Kinder ausgestattet ist. Dorthin hat uns Janas Man gebracht. Die Landschaft sieht märchenhaft aus, trotz fehlender Sonne und beißender Kälte war uns bald warm und es hat Spaß gemacht. Ich falle auch nicht mehr so häufig hin. Jana Kommentar: “Es macht schon gar keine Spaß mehr mit dir, wenn du nicht fällst”, deshalb haben sie beschlossen mich morgen auf dem Kinderhügel auf Abfahrtsski zu stellen. Ich bin gespannt…

Wir waren noch ein Mittagessen einsammeln und wurden dann wieder abgeholt. Ich war noch kurz bei Janas Familie, weil wir die Kuchenbackaktion für meine Abschiedsparty in der Schule planen mussten und sichten welches Werkzeug sie da hat und was wir ausleihen müssen. Jana ist keine große Köchin oder Bäckerin, ihr Mann kam auch gleich in die Küche und hat sich lautstark beklagt, dass sie mit mir backen will, wo sie doch für ihn sie bäckt. Aber wozu auch, wo er doch ganz prima von seiner Mutter verpflegt wird.

Jetzt hab ich noch ein wenig zu tun, weil ich eine Aktivity-variante für meine Deutsch und Englisch lernenden Schüler erstellen will, möglichst nur mit Vokabeln, die sie (theoretisch) beherrschen. Denn zum einen ist das natürlich meine letzte Woche und zum anderen letzte Woche vor den Ferien, weshalb das Alles auch ein wenig Spaß machen sollte.

“Manche mögens bunt” und andere Klamottengeschichten

Die meisten Tschechen mögens bunt (wissenschaftlich nicht belegte Beobachtung). Hose, Pullover, T-shirts in allen Farben – Menschen, die sich rein schwarz kleiden, sind eher selten. Und selbst ich habe das Gefühl eine schwarze Hose und einen schwarzen Rolli nicht zusammen anziehen zu können. Das macht mir im Prinzip nichts aus, weil ich Farben schon immer mochte. Meine Mentorin, die zwei Jahre Auslandserfahrung in Paris vorweisen kann, meinte, dass die Franzosen und vorallem die Französinnen sich nicht so bunt kleiden, dafür eleganter. Mag stimmen, ist aber auch ein wenig langweiliger, oder?

Unser Zumbakurs, ausgerichtet von Mitgliedern der pietistisch, evangelischen Gemeinde hier im Ort, ist neben einem Kaffeeklatsch auch eine Klamottentauschbörse. Eigentlich jede Woche bringt jemand was mit, was ihm nicht mehr passt oder er nicht mehr trägt und dann wird anprobiert und weitergereicht.

Meine neueste sprachliche Erungenschaft ist übrigens auch ein Wort aus der Welt der Kleidung. Ich kannte es schon vorher. Allerdings war ich bis dato der Überzeugung gewesen, dass es sich bei “hadr” um einen Lappen handelt, (bei Google steht dazu folgendes: Lappen, Lumpen, Aufwischtuch, Fetzen, Hader – wobei ich letzteres als deutsches Wort nicht kenne, aber was solls). Deswegen war ich auch einigermaßen erstaunt, als gestern jemand meinte, er müsse nach Prag fahren um Lappen zu kaufen. In Benesov gibt es definitiv genügend Geschäfte und ich würde keine 40 minutige Zugfahrt für die Beschaffung von Putzutensilien auf mich nehmen. Als ich mein Unverständnis darüber geäußert habe, wurde ich unter schallendem Gelächter eines Besseren belehrt. “Hadr” hat also auch noch eine andere Bedeutung: Klamotten.

Countdown: Noch neun Tage bis zu meiner Abreise.

Neue Erfahrungen – ein Schneewochenende in Südböhmen

Samstag morgen ging es mit der Familie meiner Mentorin nach Südböhmen in ein kleines Städtchen Namens Horní Planá gefahren. Unweit der österreichischen Grenze (keine 30 km) und oberhalb des Moldaustausees hatten wir ein hübsches Appartment und im Prinzip das ganze Gästehaus für uns, da keine anderen Gäste da waren. Nach unserer Ankunft und einem Mittagessen im Ort wurde sich Skifertig gemacht: Auf dem Programm für den Nachmittag stand Ski-Langlauf (irgendwo bei Nová Pec). Ich gebe zu, dass ich das ein wenig nervös gemacht hat, weil ich nicht wusst, wie gut ich das hinbekomme und tatsächlich hab ich am Anfang ziemlich häufig auf dem Bauch oder auf dem Rücken im Schnee gelegen. Hügel hinauf ist anstrengend, aber Hügel hinunter ist beängstigend, wenn man nicht weiß, wie man mit den Dingern bremsen soll. Der zugerufenen Hinweis von Janas Tochte bei meiner ersten Panikatacke  “Nohy do šipky” hat mir nicht geholfen, weil ich nicht wusste was šipka bedeutet. Ich habe jedenfalls für Belustigung gesorgt und es gibt prima Videoaufnahmen davon, wie ich quasi mit dem Gesicht bremse, die aber nicht an dieser Stelle veröffentlicht werden (Sorry Leute!). Am Ende der ersten Runde (nach ca. 5 km, also nicht übermäßig viel) wurde es immer kälter und find langsam zu dämmern an, außerdem hatte ich eigentlich überall Schnee (sogar auf der Brille).

Abends sind wir dann in eine Bowlingkneipe gegangen, das Essen war an der Grenze des erträglichen (weshalb ich vorsichtshalber nur Pommes und ein wenig Salat mit Essig und Öl gegessen habe), aber zu Entschädigung konnte man Bowlen und Ping Pong spielen. Jana und ich haben dann noch eine Flasche Wein geleert, bei der uns ihr Mann eigentlich helfen wollte, aber der ist im Sessel eingeschlafen.

Am nächsten Morgen hatte ich ein wenig Probleme aus den Federn zu kommen, aber für das Frühstück hat sich das Aufstehen definitiv gelohnt. Ich finde zwar immer noch, dass ein Rohlík kein vernünftiges Brötchen ersetzt, aber es gab ansonsten alles was das Herz begehrt.

Danach sind wir rüber nach Österreich gefahren in ein Langlaufskigebiet Namens “Schöneben”. Dort haben wir dann eine schöne Runde um die Aussichtswarte “Moldaublick” gedreht und uns ein Süppchen und einen Tee zum Aufwärmen genemigt und sind noch ein (sehr kleines) Stückchen gelaufen. Sonne gab es leider keine und es war ziemlich kalt. Dafür war der Schnee herrlich (ca. 40-50 cm würde ich sagen), den eisigen Wind hätte man aber weglassen können. Wir waren jedenfalls froh, dass wir unsere Sachen noch in der Unterkunft hatten und die Möglichkeit hatten erst nachmittags auszuchecken und nochmal heiß zu duschen.

Auf dem Heimweg sind wir dann noch in Český Krumlov vorbeigefahren. Ich war zwar gerade am einschlummern als wir wieder aus dem Auto aussteigen mussten, aber der Ausflug hat sich wirklich gelohnt, einen Eindruck bekommt ihr hier:

Im Sommer ist die Stadt wohl ziemlich Touristenüberlaufen (Unesco Weltkulturerbe), allerdings ist uns sogar gestern an einem Sonntag Abend im Januar bei eisigen -8°C eine japanische Reisegruppe entgegengekommen. Jedenfalls auch ein Ort den man durchaus mal wieder besuchen sollte.

Wieder in Benesov gab es zum Abendbrot Fasan (Janas Schwiegermutter hatte gekocht). Das Tier war Janas und Lukas Gewinn der Tombola auf dem Ball vom letzten Wochenende und da die Kinder in lieber begraben und Jana ihn unter keinen Umständen zubereiten wollte, haben sie ihn der Schwiegermutter vorbeigebracht, die ihn dann zubereitet und wieder mitgebracht hat. Mir hats geschmeckt, deswegen hab ich jetzt wohl auch bei ihr einen Stein im Brett. Nächstes Wochenende gibts Kaninchen – extra für mich :).

Einmal normieren bitte!

Mein zweiter Besuch an der Gastronomieschule in Vlašim hat nicht so viele neue Erkenntnisse geliefert. Ich hatte zwar noch die Möglichkeit eins der Restaurants zu Besuchen in dem Schülerinnen und SChüler der Schule regelmäßig arbeiten (Gegen eine Aufwandsentschädigung von 150 Kronen (etwa 6 Euro) pro Tag), die Schüler haben darüber hinaus allerdings die Möglichkeit in ihrer Freizeit (z. B. am Wochenende) in den Restaurants zu Jobben, wenn Bedarf besteht. Dann bekommen sie einen ganz normalen Stundenlohn.

Schon letzte Woche als ich im Praxisunterricht teilgenommen habe, ist mir aufgefallen, dass die Schüler für alle Rezepte ein dickes Buch haben, so eine Art Universalkochbuch für Tschechische Küche. Bei der Berechnung der Rezepte war dann immer von Normieren die Rede. Und tatsächlich geht es bei der Mengen Berechnung um eine Norm. Dieses Buch beinhaltet die Norm (in tschechischen Gaststätten vorgeschrieben), die besagt, welche Fleischmenge eine Protion Gulasch beinhaltet und wie viele Knödelscheiben auf den Teller gehören. Steht nicht gegenteiliges in der Karte (Grammangaben hinter den Gerichten – hat mich bislang immer irritiert wenn ich das gesehen habe) dann richtet sich die Kneipe oder das Restaurant nach der Norm und sollte das bei einer Kontrolle auch einhalten. Selbiges gilt übrigens für die Zutaten. Tschechische Kartoffelsuppe darf nur als solche ausgeschrieben sein, wenn alles drin ist, was in der Norm steht z. B. auch Pilze – die haben mich darin das letzte mal gestört. Es gibt übrigens auch so ein Buch für die gängigsten Ausländischen Rezepte, für die kalte Küche und Dessert, verrückt, oder?

Ich jedenfalls weiß jetzt, dass mir die Normportionen immer zu groß sind, offensichtlich ist es keine von und für Frauen gemacht Norm ;).

 

Und alls tanzt zu “Ná-jem zve-dej” oder Ball in Benesov

Am Samstag hatte ich Besuch von meinem Schatzi und wir hatten zusammen mit Jana und ihrem Mann Karten für den Ball in Benesov. Bei vier grad Minus haben wir uns gegen 8:00 mit warmer Jacke aber nur leichtem Schuhwerk auf dem Weg zum Kulturzentrum der Stadt gemacht. Das ist nicht allzu weit, sodass ich keine Zehen verlohren habe, aber ich bin definitiv nicht so schlau wie die Tschechinnen, die ihre Schuhe in einer Tüte mitnehmen und lieber Stiefel für den Weg anziehen.

Die Veranstalltung hatte ein gutes Programm. Eine Band, die alles mögliche Gesunge und gespielt hat und gut Stimmung gemacht hat. eine Schauspielerin/Sängerin die (laut Jana) dummes Zeug erzählt hat, aber gut gesungen hat. Mehrere Tanzvorführungen des örtlichen Tanzvereins (Kinder und Jugendliche) haben auch nicht gefehlt. Da hatte man dann die Möglichkeit deren Können zu bewundern und sein eigenes Unvermögen deutlich vor Augen geführt zu bekommen. Allerdings hat das niemanden davon abgehalten zu tanzen. Egal ob sie es sehr gut, nur mäßig oder fast gar nicht konnten (so wie Enrico und ich) schon nach den ersten zwei Liedern war die Tanzfläche gefüllt und das, bis auf die Pausen im Programm, den ganzen Abend. Ich hab ja eigentlich kaum Erfahrung mit Bällen (an meinen eigenen Abiball erinnere ich mich nur Dunkel und ich bin sicher, dass ich da nicht mal halb so viel getanz habe wie gestern.

Richtig lustig wurde als als eine zwei Mann Gruppe Namens “Těžkej pokondr” auftrat. Die singen internationale Lieder mit tschechischen Texten. Bei der tschechischen Version von  YMCA (“Ná-jem zve-dej” – bitte nicht fragen was das heißt) waren wirklich alle auf der Tanzfläche und sind richtig abgegangen. Das hat super viel Spaß gemacht und tanzen können musste man düafür auch nicht mehr.

Gegen halb zwei haben dann aber meine Füße echt weh getan und ich habe es gleich nochmal bereut, dass ich keine anderen Schuhe für den Heimweg dabei hatte (ich bin Absätze echt nicht gewöhnt). Außerdem hab ich irgendwann im Gedränge einen Pfennigabsatz auf den Fuß bekommen, weshalb mein armes Füßlein ziemlich blau aussieht heute (ja ich will ein wenig Mitleid!). Aber alles in allem wars eine gute Feier und ich finde es wirklich schade, dass ich beim Abiball der 4.A im Februar nicht mehr dabei sein kann.

Politisches

Für alle die es nicht mitbekommen haben: am Freitag und Samstag wurde in Tschechien gewählt. Ich mache, dass eigentlich nur zum Thema meines Blogs, weil wir auch im Lehrerzimmer immer wieder darüber diskutiert haben. Die wichtigsten Hintergrundinformationen können sich alle Interessierten auch in der deutschen Presse holen:

http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-01/praesidentschaftswahl-tschechien-schwarzenberg-zeman-fischer

http://www.sueddeutsche.de/politik/praesidentenwahl-in-tschechien-ein-aussenseiter-in-der-stichwahl-1.1571460

http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-01/tschechien-praesidentenwahl-schwarzenberg

Ich möchte nur über meine Eindrücke aus meinem Unfeld hier berichten. Es ist das erste mal, dass die Tschechen ihren Präsidenten direkt wählen und es standen sehr viele Kandidaten zur Auswahl. Deshalb war die Stichwahl, die es in zwei Wochen geben wird auch keine Überraschung. Der tschechische Präsident hat im Grunde ähnliche Befugnisse, wie der bei uns in Deutschland (Repräsentativ, Unterzeichnen von Gesetzen, etc.) aber er hat zumindest in der Vergangenheit seine Befugnisse immer voll ausgeschöpft und damit auch sehr stark in die Politik eingegriffen. Der noch amtierende Präsident ist nicht unbedingt beliebt und schon gar nicht seit er zum neuen Jahr eine Amnestie erlassen hat (http://www.tschechien-online.org/news/19738-verfassungsbeschwerde-wegen-amnestie/), von der vor allem Spekulanten und Wirtschaftskriminelle profitieren, deren Prozesse noch laufen. Am Donnerstag kam im Englischunterricht (ich hatte die vier Klassenbesten) das Thema auf Politik und zwei meiner Schüler haben sich sofort ereifert und lautstark über Politiker im allgemeinen und besonderen geschimpft.

Zurück zur Wahl: Die Favorieten waren zwei ehemalige Komunisten (Zeman und Fischer), Ein Österreichisch-tschechischer Adliger (Schwarzenberg), ein Sozialdemokrat mit dem lustigen Namen “Dienstbier” und ein Professor (sowie Musiker und Künstler Namens “Franz”) der vor allem Dank seiner Ganzkörpertätowierung, die ihn aussehen lässt wie ein grünes Marsmännchen, ins Auge fällt.

Schon im letzten Jahr wurde bei uns im Lehrerzimmer das ein oder andere mal darüber gesprochen, wen man wohl wählen sollte. Doch es war nicht leicht. Nachdem am Donnerstag ein Fernsehduell stattfand, in das ich nur kurz mal reingeschaut hat (NavyCIS auf Tschechisch war spannender) wurden vor allem über Schwarzenberg und Zeman diskutiert. Allein aus meinem Umfeld hätte ich die Prognose also präziser treffen können als es die Meinungsforscher konnten. Den Zeman und und Schwarzenberg sind die beiden, die nun in die Stichwahl gehen. Interessant fand ich follgende Aussagen:

- Schwarzenberg macht die sozialste Politik, obwohl er dem liberal konservativen Lager zugerechnet wird

- Schwrazenberg spricht nicht mal richtig gut Tschechisch, warum sollte man sojemanden als Präsidenten wollen

Man darf also gespannt bleiben, wer in zwei Wochen tschechisches Staatsoberhaupt wird.

 

Mein langer, abwechslungsreicher Montag

Der Tag begann ganz gut. Jana hat einen Test in der nullten Stunde geschriebn, weshalb ich ein wenig länger schlafen konnte. Ich war zwar nicht ausgeschlafen aber fit und munter. Leider kam ich trotzdem ein wenig zu spät zur ersten Stunde, weil ich den Folge zwischen nassen Blättern auf Treppenstufen unterschätz habe und den Rest der Treppe auf recht schmerzhafte Weise auf dem Hintern absolviert habe. (Außer zwei blauen Flecken wars aber glimpflich verlaufen, Laptop war auch ok, das war meine größte Sorge – warum ich den dabei hatte weiß ich eigentlich gar nicht mehr.) Jedenfalls begann die erste Stunde für mich mit nassem Hintern und leicht durch den Wind hab ich komplett den Faden verlohren. Wie schön, wenn man dann zu zweit ist.

Aber keine Sorge, der Tag wurde besser. Die vierte Klasse habe ich mit Informationen über das deutsche Schulsystem und speziell deutsche Berufsschulen (natürlich auf Deutsch) gequält. Für eine kleine Exkursion in den Bereich der deutschen Dialekte (ein Dank an die Dialektsprecher) war die Zeit fast ein wenig knapp, aber ich glaube es war trotzdem interessant. Wir werden das noch an anderen Schülern erproben.

Anschließend konnte ich mich erstmal zurücklehnen. Janas Nichte aus England mit ihrem Freund haben die vierte Klasse mit Informationen über England bzw. London, sowie Bildern, Videos und kurzen Vorträgen zu den Olympischen Spielen in England, der Hochzeit von Prinz William im letzten Jahr, sowie dem Thronjubiläum der Queen bespaßt. Er ist Muttersprachler, aber sie wohnt auch seit ihrem zwölften Lebensjahr in England, es war also guter Nativespeaker Input ;). Meine Aufgabe bestand im darin der Deutschgruppe, die erst seit einem guten Jahr Englisch hat, etwas zu helfen. Das war aber nicht so einfach. Weil immer wenn ich versucht habe etwas zu übersetzen, habe ich nicht mehr mitbekommen, wie es weiter ging, was unpraktisch war. Außerdem wurde die Gruppe dadurch schnell zu laut und hat den Rest der Klasse gestört.

Anschließend gab es erstmal Mittag und dann wurde das Ganze in der ersten Klasse wiederholt. Dort war es etwas anstrengender, weil einige wirklich nichts verstehen (trotz etlichen Jahren Englischunterricht auf dem Papier) oder nichts verstehen wollten.

Als auch das gemeistert war, war mein Vortrag zum Thema “Berufsschulen in Deutschland” auf Tschechisch für die Lehrer dran. Dadurch habe ich die Englischstunde mit der zweiten Klassen (selbes Programm) verpasst, aber heute wollte auf einmal alle Lehrer eine Vorverlegung der veranstalltung (eigentlich für 15:00 angesetzt), die die Schulleiterin dann auch gewährt hat, vielleicht weil sie Geburtstag hatte – wer weiß.

Jedenfalls dacht ich zu diesem Zeitpunkt noch, dass mein Vortrag nur für die Lehrer ist, bis die dritte Klasse auf einmal mit im Raum saß. Der Welchsel war fliegend und das Ganze ein wenig stressig, aber es lief (jedenfalls was ich betrifft) gut. Es waren einige schwierige Worte dabei und ich bin sicher meine Fehler waren zahlreich, aber sie haben alles was ich ihnen sagen wollte verstanden (nehme ich jedenfalls an) und die Diskussion (auch untereinander) war sehr rege hinterher, von daher wird es wohl auch interessant gewesen sein.

Danach war ich echt froh, dass der Schultag damit vorbei war. Jana und ich haben noch ihre Nichte plus Freund zum Bahnhof gebracht und haben Ballkarten für Samstag gekauft. Die restlichen Regularien des Nachmittags (Miete bezahlen) waren nicht mehr anstrengend. Von der Bibliothek war ich sehr überrascht. Ich habe ein Buch überzogen und es heute mit zwei Wochen Verspätung zurück gebracht. Weil ich kein Kleingeld hatte (und wahrscheinlich auch sonst so ein netter Mensch und noch dazu Ausländer) hat sie mir meine Schulden erlassen.

Jetzt werde ich mir erstmal ein schönes Abendbrot überlegen. Heut Mittag gabs nämlich Buchteln mit Vanillesoße und ich habe jetzt echt Lust auf was herzhaftes ;).

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