Annas Blog

Tag: Verkehr

Der Zusammenhang zwischen Ampeln und Wahlen

hat – auch wenn man das denken könnte – nichts mit Koalitionen zu tun!

Ich stelle mal eine These in den Raum. Absolut jeder Erwachsenen geht, obwohl man ihm als Kind etwas anderes beigebracht hat, über rote Ampeln. Manch einer immer, wenn gerade nichts kommt, das ihn überrollen könnte.  Ein anderer nur, wenn gerade kein kleines Kind neben ihm steht. Oder vielleicht wenn auch sonst niemand in der Nähe ist, es gibt ja auch sinnlose Ampeln mitten im nirgendwo. Der nächste nur, wenn er im Stress ist und ganz schnell die andere Straßenseite erreichen muss, um eine Minute schneller am Ziel, vorm Rechner, im Büro und anderweitig wichtig zu sein. Das kann ich natürlich nicht empirisch belegen. Aber Gegenbeispiele mit Heiligenschein dürfen sich gerne im Kommentar verewigen. Nur bitte nicht denken, dass das dann irgendjemand glaubt.

Soweit die nicht beweisbaren Fakten. Bleibt die Frage, worauf ich jetzt hinaus will. Continue reading

Der Zigarettendreher

Es ist ein ekelhaft verregneter Junitag. Ältere Menschen behaupten, dass es sich um die Schafskälte handelt. Tatsächlich sind die Temperaturen seit letzter Woche von zu-heiß-zum-Schlafen auf lange-Hosen-mit-Jacke-und-Schirm-Wetter gesunken. Ich bin froh im Bus zu sitzen, denn der Himmel öffnet gerade die Schleusen ein wenig weiter und meine Schuhe sind nur bedingt wasserfest. Der Bus ist relativ leer, es ist keine Stoßzeit, ich bin mitten zwischen den Vorlesungen unterwegs. Mir schräg gegenüber sitzt ein großer Blondschopf, der eben vor mir in den Bus gestiegen ist. Dass er ein paar Jahre jünger ist als ich, schließe ich aus den sorgfältig in der Mitte hochgegelten Haaren. Er trägt statt einer Jacke nur einen blauen Pullover und grau-blaue Shorts. Die für Studenten typische Umhängetasche liegt auf seinem Schoß. Ein wenig resigniert betrachte ich den Rucksack, der auf meinem Schoß liegt. Irgendwie sollte man ab einem gewissen Alter nicht mehr jeden Tag mit Rucksack herumlaufen. Aber es gibt halt kaum etwas Praktischeres und einseitige Umhängetaschen mag ich nur dann, wenn mich das Gewicht nicht stört. Leider ist das Gewicht einer 1,5 l Wasserflasche immer störend. Egal was man sonst noch so bei sich trägt.

Der Blondschopf starrt aus dem Fenster in den Regen. Sein Gesicht gefällt mir, doch ich versuche ihn nicht allzu sehr anzustarren. Noch fünf Stationen und der Bus füllt sich. Mein Betrachtungsgegenstand kramt in seiner Tasche und klemmt sich etwas weißes zwischen die Lippen. Anschließen holt er ein Tabakblättchen aus seiner Tasche und rollt es schon einmal vorsichtig. Er fischt den Tabak heraus und beginnt vorsichtig seine Zigarette zu drehen. Er scheint völlig konzentriert und entspannt bei der Sache zu sein, der weiße Filter klemmt immer noch zwischen seinen Lippen. Immer noch versuche ich ihn nicht allzu sehr zu fixieren. Der Bus hält, jemand setzt sich neben ihn und beeinträchtigt meine Sicht auf den Zigarettendreher. Als er das Filterpapier mit der Zungenspitze befeuchtet, versuche ich nicht mehr nicht zu starren. Sorgfältig begutachtet er die fertige Zigarette und klemmt sie sich vorsichtig hinter das rechte Ohr. Dann erst schaut sich um, wie umherauszufinden, wo er sich befindet. Der Bus hält, er steigt aus. Ein wenig verwirrt beobachte ich, wie die Bustüren sich wieder schließen.

Zwei Stationen später steige auch ich aus. Zügig laufe ich durch den Regen in Richtung Fakultätsgebäude und versuche im Gehen den kribbeligen Eindruck, den diese Beobachtung hinterlassen hat, abzuschütteln. Es gelingt mir nur zum Teil. Vielleicht sollte ich mit meinem Liebsten heute Abend Zigaretten drehen üben? Wir müssen sie ja schließlich nicht rauchen…

Liebe Dresdner Stadtplaner,

Vielleicht ist es an der Zeit, dass ich mich einmal bei euch bedanke. Gerade heute auf dem Rückweg von der Uni habe ich den Hindernisparcour, der meinen täglich Arbeitsweg darstellt, wieder einmal mit Bravour gemeistert. Ich trainiere dadurch zweimal täglich Aufmerksamkeit, Konzentration und Reaktionsvermögen.

So musste ich wieder diversen auf den Bus wartenden und sich gedankenverloren bewegenden Menschen ausweichen und zwei mal scharf bremsen damit niemand zu schaden kommt. Dieses Gefahrentraining wird mir allein dadurch ermöglicht, dass die Radwege zwischen Bushaltestelle und Straße entlang führen, also danke dafür.

Auch die vielen Schlaglöcher und hohen Bordsteinkanten, die ich mit meine dünnen Reifen zu meiden versuche, helfen mir beim Fahren nicht einzuschlafen. Die zum Teil fehlende Markierung sorgt dagegen dafür, dass die Radwege aus dem Bewusstsein der Autofahrer verschwinden und verlangen von mir nicht nur das Beobachten der zu hohen Bordsteinkante, sondern stellen auch noch kommunikative Anforderungen. Denn ich muss herannahende Autos aufmerksam im Auge behalten und wenn möglich Blickkontakt mit dem Autofahrer aufnehmen. Damit er ja nicht vergisst, wer hier Vorfahrt hat – nämlich ich!

Ganz entzückt bin ich auch von den zwei Baustellen, die sich seit neuestem auf meinem (nur etwas 5 km langen) Weg befinden. Ein wenig Slalom kann für das Koordinationstraining eines jeden Radfahres nur von Vorteil sein. Und es versteht sich ja auch von selbst, dass die Autos auf Radwege umgeleitet werden und der Radfahrer den Umweg in Kauf nimmt. Schließlich möchte er nicht nur sein Ziel erreichen, sondern auch ein wenig trainieren. Sportliches Engagement geht klar vor.

Ich finde es auch völlig ok, wenn ihr Radwege wegmacht und stattdessen lieber Parkplätze baut. Die faulen Autofahrer müssen selbstverständlich immer direkt vor dem Geschäft parken können, denn sonst würde sie warscheinlich nicht mehr einkaufen gehen. Und den wirtschaftlichen Schaden, der dadurch entstünde, möchte ich nicht auf meine Kappe nehmen.

Nein, keine Sorge: Wir Radfahrer stecken das schon weg! Fragt sich nur, wie lange noch.

Gezeichnet,

eine Radfahrerin

 

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