Annas Blog

Tag: Freizeit (page 1 of 3)

Im Taumel

Fünf Uhr Morgens. Als ich die Augen schließe dreht sich die Welt erstaunlicherweise nicht. Ich bin weniger betrunken, als ich dachte. Es ist kein Alkoholrausch. Es sind pure Endorphine.

Blickkontakt auf der Tanzfläche, angelächelt. Als er mir seine Bierflasche anbietet, greife ich zu. Wir Tanzen.

Irgendwann stehen wir an der Bar. Er will mir ein Bier ausgeben, ich zögere: “Vergeben.” Continue reading

Gastfreundschaft

Gastfreundschaft_3Gibt es etwas schöneres als für gute Freunde zu kochen, einen Tisch schön zu decken und dann bei Wein und gutem Essen einen schönen Abend miteinander zu verbringen? Ich denke nicht! Nur für den Abwasch hinterher würde ich mir manchmal Meinzelmännchen wünschen! Oder zumindest eine Geschirrspülmaschine.

Anlass war der dreizigste Geburtstag eines guten Freundes, aber ich gebe zu ich brauche normalerweise keinen Anlass, um mich in der Küche auszutoben. Ich brauche normalerweise eher einen Anreiz, wenn es sinnvoll ist und ich was schaffen sollte, am Schreibtisch sitzen zu bleiben. Das ist so viel schwieriger …

 

 

Hier ein paar fotographische Impressionen: Continue reading

Fortsetzung: Warum ich nicht Grundschullehrerin werde*

Seit Sonntag läuft bei uns die Partyvorbereitung. Geburstage müssen gefeiert werden. Strand oder zumindest Sand ist auch eingeplant. Sehr zur Verwunderung einiger Freunde haben wir uns entschieden fleischfrei zu grillen (Ich weise jegliche Verdächtigung, das sei allein auf meinem Mist gewachsen brüsk von mir). Jeder der auf sein Steak nicht verzichten kann, darf dieses selbstverständlich mitbringen. Und roh verzehren – kleiner Scherz ;)

Außer über das Essen haben wir uns natürlich auch über die Deko Gedanken gemacht. Das Wetter soll toll werden, wir werden draußen sitzen. Das Motto lautet ‘Mittelmeer-Feeling’, wir holen also den Urlaub zu uns! Was braucht man also noch für einen stimmungvollen Abend? – Richtig! Ein paar Lampinions. Continue reading

Köperwelten

Obwohl ich inzwischen seit zwei Jahren Mitglied bin, sind sie mir immer noch ein wenig suspekt. Die Tempel des modernen Menschen – man könnte ihn Homo corporalis nennen, so sehr ist er fixiert auf seinen Körper, sein Aussehen und Wohlbefinden, seine Wirkung und seine Präsentation – ist das Fitnessstudio. Es gibt sie in allen Ausführungen, von sehr billig bis extrem teuer, ihr Heilsversprechen ist aber immer dasselbe. Schönheit und Gesundheit durch das wöchentlich möglichst hoch anzusetzende Maß an körperlicher Qual Ertüchtigung, welche das moderne Pendent zu Ablasshandel (= wenn man mal wieder mit Süßigkeiten oder ähnlichem gesündigt hat), Beichte (= beim regelmäßigen Fitnesscheck) und Sühne (= jede Menge Rosenkränze Sit-ups) ist.

Betritt man einen dieser modernen Tempel, wird man von durchtrainierten Trainern mit strahlendem Lächeln begrüßt. Alle Duzen sich – und dich auch. Man gehört dazu, ist Teil der großen Sekte Gemeinschaft. Regelmäßig prüfen sie alle für die Gemeinschaft relevanten Kennzahlen wie BMI, Körperfett, Gewicht, Blutdruck, Puls und Ausdauer. Hier gilt dann häufig das Gegenteil des geflügelten Wortes: man wird gemessen und für zu schwer befunden. Aber keine Angst, der nächste Trainingsplan wird zügig erstellt, die Ziele definiert und der Körper gleich mit.

Diese Körpermentalität lebt auch vom Vergleich. Was nützt es dünn zu sein, wenn man nicht dünner ist als andere? Welchen Sinn hat das Trainiertsein, wenn man nicht ein bischen besser aussieht als der Nachbar. So taxieren die auf dem Cross-trainer-stehenden die Zahlen ihrer Nachbarn. Bereits verbrauchte Kalorien, welcher Wiederstand, was sagt der Puls? Völlig überdimensionierte Body-Builder posen vor riesigen Spiegeln und versuchen noch eine 5 kg-Scheibe mehr auf ihr Hantelstange zu schieben, als der Nachbar drauf hat. Gut trainierte Damen laufen in so engen Kleidungsstücken herum, dass man keinerlei Fantasie mehr für irgendwas benötigt.

In den Kursen treiben die Trainer die Fitnesssüchtigen mit einer Mischung aus ‘Wir-haben-Spaß-zur-Musik’ und Drill an. Und hinterher verschwinden alle erschöpft und glücklich unter der Dusche und/oder in der Sauna. Da kann man dann nochmal, den Körper als ganzes Kunstwerk präsentieren. Vorallem die allgegenwärtigen Bilder und Bildchen, die sonst leider gottseidank von Kleidungsstücken verdeckt werden.

Zwar wird behauptet unser Körper sei der Tempel unserer Seele, aber viele scheinen das zu ernst zu nehmen und die Seele/den Geist zu Gunsten des Körpers zu vernachlässigen.

Wenn ich also heute Abend aus dem Fitnesstudio komme, werde ich erstmal ein gutes Buch lesen. Und den Feuilleton der Zeit, um geistig auf dem Laufenden zu bleiben. Und vielleicht ein Glas Wein trinken, für die Seele…

Geburtstagswünsche

Gestern war die Ganztags-Familien-Geburtstagsparty meines Lebenspartners, anlässlich seines 30sten.

Das bringt mich dazu, über die perfekte Geburtstagsparty oder den perfekten Geburtstag nachzudenken. An erster Stelle mal eine Zusammenfassung dessen, wie es nicht sein sollte!

  1. früh aufstehen müssen
  1. Stress haben
  1. mehrmals täglich abwaschen müssen und unglaublich viel Arbeit mit irgendwelchen Vor- und Zubereitungen haben
  1. zuviel essen müssen
  1. fast zehn Stunden aufeinander hocken (selbst die besten Freunde ist man doch irgendwann leid oder erträgt sie nur mit einem erhöhten Alkoholpegel länger!)

Tja, daher sieht mein Traumgeburtstag wohl ähnlich aus wie meine Traumhochzeit: einsam bis zweisam, entspannt, am besten an irgendeinem Strand bei super Wetter (das war allerdings gestern gegeben, nur der Strand hat gefehlt) und jetzt mal ehrlich Leute, ich feiere gerne mit euch, aber das könne wir ja auch an einem anderen Tag machen, wenn es für mich stressfrei ist. Es sei denn natürlich, ihr schmeißt eine Überraschungsparty für mich (bitte, bitte mit Strand), dann bin ich zu allen Schandtaten bereit! ;)

BUNT

Eines der Sommerhighlights – Ja, auch hier ist der Sommer endlich angekommen! – in Dresden ist jedes Jahr die Bunte Republik Neustadt (kurz BRN). Entstanden aus einer Protestbewegung in den 90er Jahren handelt es sich heute eigentlich nur noch um ein großes Straßenfest. Dies macht sich vor allem in der Kommerzialisierung bemerkbar. Es geht an vielen Stellen vor allem um den Verkauf von Essen und Trinken und natürlich von Krimskrams, den man auf solchen Festen üblicherweise findet. Darüber hinaus ist die BRN aber trotzdem etwas ganz besonderes. Auch wenn ich nicht weiß, wie das Fest früher aussah, hat es einen ganz besonderen Charme, der es von anderen Stadtfesten, die ich kenne, unterscheidet.

Samstag Nachmittag sind die zentralen Straßen der Neustadt schon voller Menschen. Junge und Alte, Familien mit Kindern, ein bunt gemischtes Publikum tummelt sich auf der Allaunstraße, der Louisenstraßen oder rund um die Lutherkirche. Nach einem Spaziergang durch dem Priesnitzgrund haben mein Lebensgefährte und ich beschlossen uns in das bunte Getümmel zu stürzen. Aber als uns der Durst überkommt und die Füße langsam brennen, suchen wir uns ein erhöhtes Plätzchen vor einer Bar und beobachten bei einem kühlen Bier die vorbeiziehenden Menschenmassen. Und das Publikum ist wirklich bunt. Manche haben wahrscheinlich Stunden vor dem Spiegel verbracht, bevor sie das Haus verlassen haben. Punks mit perfekt gestylten schreiend bunten Haaren, Musikfans verschiedener Richtungen in Schwarz bis leuchtend rot, gelb oder blau. Alternative Ökos in Leinenkleidern und Biolatschen. Sogar einen Mann im Schottenrock habe ich gesehen, nicht gerade die Traditionskleidung in Dresden. Tatoos soweit das Augen sehen kann. Erstaunlich wie bebildert die Menschen heute oft sind. Sternchen und Blümchen fallen ja kaum auf, Frauen die Aussehen, als ob sie Strumpfhosen tragen,  obwohl es nur bebilderte Beine sind. Bunte Rücken und Dekolletès, man könnte jede Menge Zeit mit der Interpretation verbringen.

Ich habe mir übrigens ein kleines Bildchen (eine Schwalbe) in den Nacken kleben lassen, ein Pentagram stieß bei meinem liebsten nicht gerade auf Gegenliebe. Das Vöglein hat aber die Dusche nach dem Sport am Sonntag nicht überstanden.

Sehr niedlich waren auch die vielen Säuglinge und Kleinkinder die von ihren Eltern durch die Straßen getragen, geschoben und gezogen wurden und die gegen den Lärm und die Musik aus allen Richtungen neonfarbenen Gehörschutz trugen.

Aber ein paar Details machen daneben noch die Besonderheiten der BRN aus. Die viele Straßenverkäufer, die nicht in mit kommerziellen Wägen am Straßenrand stehen. WGs und Familien mit Kindern die Waffeln backen, Kuchen verkaufen und selbstgebastelte Dinge anbieten. Im meinem ersten Jahr in Dresden habe ich hier ein paar Ohrstecker, die aus Porzelanscherben gefertigt sind, gekauft. Diesmal konnte ich einer bunter, sehr weichen und fast durchsichtigen Pumphose nicht widerstehen. :)

Wichtig ist für die BRN auch die Musik, die an allen Ecken gespielt wird. Große und kleine Bühnen, Bands, die von Balkonen herunter musizieren, DJs in Bierwagen, Rapper auf der Straße, Privatleute, die ihre Boxen ans Fenster stellen und ein paar Meter Straße beschallen, bis der Sound von der nächsten Bühne ein paar Meter weiter überlagert wird. Andere – wie eine trommelnde Salsagruppe – bewegen sich durch die Straßen und bleiben an der ein oder anderen Stelle ein Weilchen stehen – um zu trommeln.

Kulinarisch dominieren übrigens indische Speisen das Bild, wobei ich mir nicht sicher bin, ob das ein und derselbe Inder ist, der nur verschiedene Stände hat oder ob es wirklich so viele indische Restaurants in der Neustadt gibt, die alle einen Stand auf der Straße haben. Aber es gibt auch die unvermeidlichen Langosstände (meiner Meinung nach könnte man die weglassen), leckeres Fladenbrot, Crepes, Falafel und Co.

Zwei Abende und ein Nachmittag BRN: Viele Musik, leckeres Essen, viele Menschen – alles in allem ein schönes buntes Wochenende!

Apportiert

Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich einfach zu viel freie Zeit habe in diesem Semster. Oder das mein Job hier an der Uni zwar meine Anwesenheit, aber oft nicht meine volle Aufmerksamkeit fordert (das sollte ich vielleicht nur ganz leise schreiben). Jedenfalls bin ich inzwischen nicht nur schreibsüchtig (wie man unschwer erahnen kann) sondern lese auch selbst den ein oder anderen Blog. Dabei bin ich unter anderem auf den Blog von Frau Weh gestoßen, die wie einige andere aus der Spähre der Lehrerblogs mit Holz geworfen hat.

Ich habe mal irgendwo gelesen, dass jeder Mensch über sieben andere Personen mit allen Menschen dieser Welt verbunden ist. Kann ich mir gut vorstellen, vorallem, wenn man sich seine Facebook-Kontaktlisten und die Freunde von Freunden von Freunden mal so anschaut. Ich bin eigentlich noch nie ein Freund von Kettenbriefen oder Kettenmails gewesen, die es ja offensichtlich darauf anlegen, diese These zu überprüfen. Blogger spielen ähnliche Spiele. In diesem Fall heißt das dann ‘Stöckchenwurf’. Wie alles anfing kann man übrigens ebenfalls bei Frau Weh nachlesen.

Und da ich gerade wirklich nicht weiß worüber ich schreiben könnte – sieht man mal vom Wetter ab. Dauerregen und Gewitter im Mai, keine Ahnung was der heilige Petrus da treibt… – jedenfalls habe ich mich entschieden Frau Wehs Stöckchen zu fangen und zu apportieren*. Eventuell werde ich es auch weiterwerfen, aber das weiß ich noch nicht. (Hätte ich übrigens nicht gemacht, wenn mir die Fragen nicht gefallen hätten ;))

Aber damit klar wird, um was es eigentlich geht, hier erstmal die Regeln:

  1. Nenne den Stöckchenwerfer.
  2. Beantworte die elf Fragen des Stöckchenwerfers.
  3. Erzähle elf Dinge über dich.
  4. Entwirf elf Fragen, die der nächste beantworten soll.
  5. Wirf das Stöckchen an den nächsten Blogger

 

1. Nenne den Stöckchenwerfer: bereits erledigt.

2. Beantworten der elf Fragen des Stöckchenwerfers: (Wer zählen kann, dem wird an dieser Stelle auffallen, dass Frau Weh nur zehn gestellt hat, da sie die 4 ausgelassen hat. Absicht oder Versehen?)

1. Stehaufmännchen oder Wackelkandidat? – Nie gewackelt oder gewankt, aber jeden Morgen wieder aufgestanden!

2. Welches Gedicht kannst du ohne zu zögern aufsagen? – Ähm, Gedicht …  mir fällt als erstes was aus Faust I ein: “Wenn ich zum Augenblicke sage, verweile doch du bist so schön, … “  Das könnte aber daran liegen, dass ich den grad mal wieder lesen muss.

3. Herzlichen Glückwunsch! Dir stehen unbegrenzte finanzielle Mittel zur Verfügung, um DIE Schule zu planen. Wie wäre sie? - Klingt wahrscheinlich oberflächlich, aber ich würde bei der Ausstattung und der Optik anfangen. Helle große Klassenräume (+Beamer, Visualizer, PC, keine Kreidetafeln!), viel Grün auf dem Schulhof, etc. Schule sollte ein Ort sein wo man gerne hingeht und sich wohlfühlt. Und sonst am besten nochmal nachfragen, wenn ich im Ref bin, dann fällt mir vielleicht noch mehr ein.

5. Kreuzchen oder B-chen? - Mhh? Ich mache gerne gedanklich drei Kreuze, wenn ich was Wichtiges erledigt habe.

6. Welche CD begleitet dich schon ganz lange? Was löst sie bei dir aus? - Bei mir ist die Adventszeit ohne Rolf Zukowskis “Dezemberträume” unvollständig. Und am ersten Weihnachtsfeiertag fühle ich mich erst nach dem lauten (!) “Jauchzet, frohlocket!” aus dem Weihnachtsoratorium von Bach richtig weihnachtlich. Beides besitze ich inzwischen auch selbst auf CD.

7. Was ist dein Luxus? - Ein gutes Gespräch unter Freunden wahlweise bei schwarzem Tee oder einem guten Glas Wein.

8. Du kannst den perfekten Tag planen. Wie sieht er aus? – Immer anders. Den perfekten Tag gibt es nicht.

9. Warum bloggst du? – Weil ich ganz klar süchtig danach bin!

10. Du wanderst aus und kannst genau drei Gegenstände mitnehmen. Welche? – Meinen Liebsten und eine Kreditkarte. Liebe und Geld, was braucht der Mensch mehr? ;)

11. Welche Frage möchtest du mir stellen? – Liebe Frau Weh, sind Sie immer noch vegan unterwegs?

 

 

*Unter apportieren versteht man das Herbeibringen eines geworfenen Gegenstandes. Normalerweise ist das die Aufgabe von Hunden, z. B. Jagdhunden. Ich bringe die Fragen mit den entsprechenden Antworten zurück.

Pfingsturlaub für visuelle Typen

Für diejenigen unter meinen Lesern, die es lieber bildhaft mögen, gibt es jetzt auch ein paar visuelle Eindrücke!

Man beachte vor allem Bild 16!

 

“Moin” – Kurzurlaub im Ammerland

Es ist trist und grau und es regnet.  Eine viertel Stunde nachdem mein Zug Hannover hinter sich gelassen hatte, begann es in Strömen zu regnen. In Oldenburg war keine Besserung in Sicht, in Bad Zwischenahn angekommen: Bindfäden. So stellt man sich das nicht vor, aber Regen gibt es hier häufig. Hier im Ammerland am Zwischenahner Meer, das eigentlich nur ein großer schlammiger See ist.

Ich bin zu Besuch bei meiner Schwester, die hier lebt und arbeitet. In der Gastronomie. Man könnte sagen, dass die Gegend – übrigens handelt es sich um einen (oder mehrer?) Kurorte – vor allem aus zwei Gruppen von Menschen besteht. Dienstleister und Dienstleistungsnehmer. Bei den erstgenannten handelt es sich um Gastronomen, Kranken- und Altenpfleger, evtl. sind auch ein paar Verkäufer dabei. Letztere – übrigens die überwältigende Mehrzahl – sind alte Menschen. Rolatorführerscheinbesitzer, E-Bike-Fahrer und jede Menge knausrige Rentner. In Dresden staune ich jeden Tag über die unmengen Kinderwagen und Schwangeren, hier landet man nach zehn Minuten Rolatoren zählen im zweistelligen Bereich.

Auch wenn das Wetter nicht mitspielt ist die Gegend für sich genommen sehr schön. Sehr ‘platt’, sowie der Dialekt, den hier manche noch sprechen. Voller Baumschulen und liebevoll gepflegter und ein wenig spießbürgerlicher Gärten. Ein wenig rau, wie die Menschen, die ein lautes “Moin!” schon für einen angemessen freundlichen Gruß halten.

Vom Essen verstehen sie nichts oder nicht viel, aber vielleicht liegt das daran, dass die Zeit mit den älteren Bewohnern zusammen stehen geblieben zu sein scheint – in den 80ern oder 70ern. Davon zeugen Hoteleinrichtungen ebenso wie Speisekarten, die ohne Schnitzel ihre Existenzberechtigung verlieren. Alle kaufen hier auch fleißig Aal in der irrigen Annahme er würde aus dem Bad Zwischenahner Meer stammen. Dabei ist dor das Fischen gar nicht mehr erlaubt. Aal gibt es auch im Ammerland nur aus Polen.

Vom frisischen Tee bin ich ein großer Fan. Wenn die Menschen hier von etwas Ahnung haben, dann vom schwarzen Tee. Kännchen und Tässchen mit Milch oder Sahne mit dicken Zuckerbrocken (die sogenannten “Kluntches”), nie würde man hier nur eine läppische Tasse mit billigem Teebeutel bekommen! Wir benötigten ihn umso dringender, denn der Wind war kalt und das Wetter wie gesagt lausig.

Die Welt meiner Schwester die Welt der Dienstleister, die der Gastronomen: Eine Paralellwelt. Menschen, die ihre Stammkneipe nach dem sprichwörtlichen “Strohalm” benennen, an den sie sich allabendlich nach der Arbeit klammern. Betritt man diese Lokalität zwischen elf und zwölf findet man hier keine Touristen. Hier sitze an den Tischen verteilt die Kellner aus dem Hotel ‘Haus am Meer’, die Köche des ‘Jagdhaus Eiden’ und die Azubis diverser anderer Betriebe aus der Gegend. Da ihre Tage oft spät beginnen, verbringen sie ihren Feierabend im einzigen Lokal des Ortes, dass um diese Zeit noch auf hat. Und der ‘Strohhalm’ gewährt ihnen allen Zuflucht. Sie kennen sich, schimpfen über bescheuerte Gäste, inkompetente Kollegen und den alltäglichen Wahnsinn, dem man in der Gastronomie so ausgesetzt ist.* Hier merkt man auf einmal nichts mehr von der Altersstruktur des Kurortes. Es fällt einzig auf, dass es diese Menschen nicht nach Hause in die Betten zu ziehen scheint. Was meinen Tagsrythmus völlig aus dem Gleichgewicht wirft, ist normal für jemanden der erst am nächsten Nachmittag wieder zur Spätschicht muss. Und so ist der ‘Strohhalm’ nicht nur ein Rettungsanker, sondern ein Ort pulsierenden Lebens.

Als ich nach drei schönen Tagen voller Wind, Unternehmungen (Sushi in Oldenburg, Fahradtour um das Zwischenahner Meer, Casinobesuch ohne Verluste aber auch ohne Gewinne) wieder abreise, nehme ich Abschied von meiner Schwester und ihrem Freund, die mir mit viel herzlicher Gastfreundschaft meinen Aufenthalt sehr angenehm gemacht haben. Und ich verabschiede mich von vier weißen Tauben, die immer vor dem Haus, in dem die zwei wohnen, hocken. Vier Friedenssymbole – und das zurecht, denn ein friedliches Örtchen ist Bad Zwischenahn tatsächlich.

* Und ich weiß, wovon ich spreche, da ich ja auch eine Ausbildung in der Gastronomie gemacht habe.

Vom Bauen und Basteln – Charakterstudie

„Von Kabeln befreit sind Tisch und Stühle, durch Enricos holden belebenden Blick…“ *

dichtete mein Lebenspartner und Haustechniker heute beim gemeinsamen Frühstück. Tatsächlich ist jetzt, inzwischen bald 18:00 Abends (und gegen 19:00 bekommen wir Besuch), das Gegenteil der Fall. Diverse USB-Kabel kuscheln sich eng verschlungen um Mehrfachsteckdosen. HDMI-Kabel winden sich neben („Verdammt, immer noch zu kurz!“) Audiokabeln. Der Kabelsalat hat unser Wohn- und Arbeitszimmer fest im Griff.

Begonnen hatte alles schon am Donnerstagabend als wir beschlossen, mal wieder was in unserem Wohn- und Arbeitszimmer zu ändern und für Freitag (Brückentag – mein Liebster hatte Urlaub) als erstes ein Baumarktbesuch auf dem Plan stand.

Dazu muss man wissen, dass unsere Wohnung sehr klein ist. Als wir vor dreieinhalb Jahren hier eingezogen sind, war sie (vor allem auch preislich) optimal für uns. Die 50 qm sind sogar recht gut geschnitten: Minibad, Küche rel. groß mit Tisch und zwei gleichgroße Zimmer. Eines dieser Zimmer ist unserer Wohn- und Arbeitszimmer. Zwei (große) Schreibtische, ein Sofa, drei Regale, (zu großer) Couchtisch und ein E-Piano. Es ist eine Katastrophe. Seit eineinhalb Jahren hat die Wohnung, insbesondere das Wohnzimmer, einen Füllstand erreicht, der nur durch regelmäßiges Ausmisten und bisweilen durch große Umräumaktionen in den Griff zu bekommen ist.

Eigentlich wollten wir gestern „nur“ einen neuen Schreibtischunterbau um eine Schränkchen, das ich in der obigen Aufzählung vergessen habe, rauszuschmeißen. Damit ich auch Spaß habe, haben wir auch gleich noch ein wenig Farbe gekauft.

Nun sind mein Lebenspartner und ich in manchen Dingen ähnlich, in anderen grundverschieden. Er ist der geborene Heimwerker. Er überlegt, plant, zeichnet, misst (mehrfach) und weiß genau, was er will und wie es aussehen soll. Ich dagegen bin eher der Aktionstyp: Anfangen und Schauen was draus wird! Meistens wirds ganz gut, wenn nicht, kann ich damit auch leben. Ich würde nie Sachen wieder auseinanderschrauben, weil sie nicht hundertprozentig sind. Er schon. Ich würde es so lassen, weil mir meistens auch irgendwann die Lust vergeht. Er nicht. Man könnte also auch sagen, wir ergänzen uns ganz gut.

Also fing ich an Zeitungen auszulegen und malen zu wollen, bevor das zu bemalende Objekt fertig zusammengeschraubt war. Weshalb meiner (zu dem Zeitpunkt noch) überschäumenden Energie auch der Küchentisch zum Opfer fiel.

Gegen vier hatte das Wohnzimmer dann den Grad höchster Unordnung erreicht, der es absolut unerträglich macht und wir begannen (gedanklich** und praktisch) Möbel zu rücken. Das war zwar nicht vorgesehen, aber wenn man mal dabei ist. Vier Stunden später hatten wir eine Lösung. Leider beinhaltete diese eine technische Umstrukturierung.

Ich habe mich dann um das Abendbrot gekümmert und war nicht mehr für Kabel-Aktionen zu begeistern. Auch heute Morgen hielt sich mein Enthusiasmus in Grenzen. Ich habe alles in die Bemalung von Tisch und Schreibtischunterbau gesteckt (zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich den zweiten Anstrich des Tisches bislang auch vor mir herschiebe). Der Rest wurde beim Umräumen verbraucht. Aber wie schon gesagt, wir sind ja Gott-sei-Dank verschiedenen. Er kämpft noch. Ich habe auch wieder Energie. Die fließt gerade in vegane Burger. Damit wir und unsere bald eintreffenden Gäste vor lauter Bastelfieber nicht verhungern. Denn ich bin sicher mein Schatz würde notfalls das Essen vergessen… im Kampf mit den HDMI- und Audiokabeln. Gerade steckte er den Kopf unterm Schreibtisch vor und ächzte “So, jetzt!” was auch immer das bedeuten mag.

 

* Mein Liebster ist ein IT-Mensch, da sollte man solche gewaltsamen Umgestaltungen von Goethes Versen mit Nachsicht behandeln.

** Manche Dinge lassen sich nur sehr schwer praktisch verrücken. Unser Bücherregal wiegt mit Inhalt  bestimmt über dreihundert Kilo (habe es grad mal überschlagen). Ca. 400 Bücher (+5 Fächer mit Ordnern) mit im Schnitt 500 g macht 200 kg. Jetzt bin ich selbst erstaunt. Aber das erklärt, warum unser Versuch es mit vereinten Kräften um 5 cm zu verrücken, zum Scheitern verurteilt war.

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