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Tschüss Schweden!

Noch ein letzter Blick über die Bucht und die strahlend blaue See. Ein letztes Dankeschön und noch eine Umarmung. “Its time to hug!” Gunilla lacht. Letzte Woche hat sie uns gesagt, dass sie nicht traurig ist über Abschiede von Wwofern. “Wenn man sich von Menschen verabschiedet, sollte man nicht traurig sein, man sollte froh sein über die Zeit, die man gemeinsam hatte. Denn auch wenn man sich nie wieder sieht, so bleiben es doch Freunde.”

Zweieinhalb Wochen auf einem schwedischen Bauernhof mit vielen Pferden, Schafen, Hühnern, Pfauen, Hunden, Katzen, Meerschweinchen, Schildkröten und Schlangen. Zweieinhalb Wochen großartiges Septemberwetter, ein ganzer Regentag, ein paar Schauer, ansonsten viel Sonne – teilweise sogar Badewetterr! Wobei das Meer recht kalt war. Nachmittage auf der Terrasse und am Strand, unterwegs auf Feldern und im Wald.
Trotzdem war es natürlich kein typischer Urlaub. Manch einer würde vielleicht sagen, es war gar kein Urlaub.

Wir haben mit einer schwedischen Familie zusammen gewohnt, die mal aus zwei Personen am Wochenende aber auch mal aus fünf Personen besteht. Dazu waren wir zu Beginn vier Wwoofer. Das Haus war zwar groß, aber es gab nur ein Bad mit Dusche. Unser Zimmer war nur eine kleine Schlafkammer, dafür waren Küche und Wohnzimmer riesig und sehr gemütlich. Gefrühstückt wurde jeden morgen gegen halb neun, das gefürchtete früh aufstehen blieb uns also erspart. Anschließend wurde gearbeitet.

Manches davon hat echt Spaß gemacht. Diese Woche haben mein Liebster und ich Innenwände und Türen für einen Stall gebaut. Wir sind weiter bekommen als gedacht und ich habe entdeckt, dass das bedienen einer Tischkreisäge eine Leidenschaft von mit werden könnte. Bohren und Schrauben kann ich auch ganz gut, Hämmern ist dagegen doof. Holz schleppen ist wiederrum eine recht stupide Angelegenheit. Holz stapeln ist auch nicht so toll, zu meiner eigenen Überraschung habe ich aber festgestellt, dass ich es besser konnte als die anwesenden Männer. An einem Tag habe ich beim kastrieren von jungen Hengsten mitgeholfen. Meine Rolle bestand zwar nur im Seil halten, damit die betäubten Tiere nicht versehentlich den Skalpellschwinger treten können, aber es war eine interessante Erfahrung. Mein Liebster und Haustechniker hatte sich derweil in den Keller verkrochen. Zum einem um seinem Namen Ehre machen und Kabel zu verlegen. Zum anderen um nicht zugucken und mitleiden zu müssen.

Aber es gibt, denke ich, kaum eine andere Möglichkeit so nahe an Menschen in anderen Ländern heran zu kommen. Wenn man gemeinsam mit ihnen arbeitet, zusammen Essen kocht, sich in der Pause zum Kaffee (schwedisch Fika) trifft, sich austauscht und lacht. Zusammen sitzt und sich bis spät abends Geschichten erzählt. Gemeinsam das Kronjubiläum des schwedischen Königs im Fernsehen guckt, obwohl man fast nichts versteht, nur weil einer der auftretenden Sänger zufällig der Plastikbruder (Stiefbruder in unverheiratet) eines Freundes der Familie ist. Wir haben jede Menge interessante Menschen getroffen. Den Wwoofer aus den USA, der Meeresbiologie studiert hat und in Schweden nach Verwandten und Vorfahren sucht. Die deutsche Medizinstudentin, die nach dem Physikum eine Auszeit braucht. Den Lehrer aus Österreich, der mit seiner Familie schon seit drei Jahren in Schweden wohnt, obwohl er eigentlich nur ein Jahr bleiben wollte. Der wusste Interessantes über das schwedische Schulsystem zu berichten. Ich könnte so weiter machen. Hufschmiede und viele Freunde und Helfer der Familie. Mit einigen haben wir zusammen Mittag gegessen, andere waren für ein Schätzchen da. Fast alle sprachen gut englisch und waren herzlich und freundlich.

Und vielleicht kann man es also nicht als typischen Urlaub bezeichnen, aber wir haben gegen ein wenig Arbeit viel mehr bekommen als Essen und ein Bett. Wir haben Freunde gefunden. “When you come again to sweden, than come and visit us,” hat Gunilla gesagt und mit einem Augenzwinkern hinzugefügt: “without working of course!” Und sollten wir sie nie wieder sehen, so sind sie trotzdem da und wir werden sie nicht vegessen.

Categories: Ausflüge, Reisen und Co.

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1 Comment

  1. …und die Menschen aus der Südheide haben beim Lesen des Reiseberichtes fast Tränen in den Augen! – Ganz liebe Grüße von hier. Wir freuen uns, daß Ihr das alles erleben durftet!

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