Annas Blog

Category: Gedanken zu Sprache und Sprachen (page 2 of 2)

Und alls tanzt zu “Ná-jem zve-dej” oder Ball in Benesov

Am Samstag hatte ich Besuch von meinem Schatzi und wir hatten zusammen mit Jana und ihrem Mann Karten für den Ball in Benesov. Bei vier grad Minus haben wir uns gegen 8:00 mit warmer Jacke aber nur leichtem Schuhwerk auf dem Weg zum Kulturzentrum der Stadt gemacht. Das ist nicht allzu weit, sodass ich keine Zehen verlohren habe, aber ich bin definitiv nicht so schlau wie die Tschechinnen, die ihre Schuhe in einer Tüte mitnehmen und lieber Stiefel für den Weg anziehen.

Die Veranstalltung hatte ein gutes Programm. Eine Band, die alles mögliche Gesunge und gespielt hat und gut Stimmung gemacht hat. eine Schauspielerin/Sängerin die (laut Jana) dummes Zeug erzählt hat, aber gut gesungen hat. Mehrere Tanzvorführungen des örtlichen Tanzvereins (Kinder und Jugendliche) haben auch nicht gefehlt. Da hatte man dann die Möglichkeit deren Können zu bewundern und sein eigenes Unvermögen deutlich vor Augen geführt zu bekommen. Allerdings hat das niemanden davon abgehalten zu tanzen. Egal ob sie es sehr gut, nur mäßig oder fast gar nicht konnten (so wie Enrico und ich) schon nach den ersten zwei Liedern war die Tanzfläche gefüllt und das, bis auf die Pausen im Programm, den ganzen Abend. Ich hab ja eigentlich kaum Erfahrung mit Bällen (an meinen eigenen Abiball erinnere ich mich nur Dunkel und ich bin sicher, dass ich da nicht mal halb so viel getanz habe wie gestern.

Richtig lustig wurde als als eine zwei Mann Gruppe Namens “Těžkej pokondr” auftrat. Die singen internationale Lieder mit tschechischen Texten. Bei der tschechischen Version von  YMCA (“Ná-jem zve-dej” – bitte nicht fragen was das heißt) waren wirklich alle auf der Tanzfläche und sind richtig abgegangen. Das hat super viel Spaß gemacht und tanzen können musste man düafür auch nicht mehr.

Gegen halb zwei haben dann aber meine Füße echt weh getan und ich habe es gleich nochmal bereut, dass ich keine anderen Schuhe für den Heimweg dabei hatte (ich bin Absätze echt nicht gewöhnt). Außerdem hab ich irgendwann im Gedränge einen Pfennigabsatz auf den Fuß bekommen, weshalb mein armes Füßlein ziemlich blau aussieht heute (ja ich will ein wenig Mitleid!). Aber alles in allem wars eine gute Feier und ich finde es wirklich schade, dass ich beim Abiball der 4.A im Februar nicht mehr dabei sein kann.

Ein entspanntes Wochenende

Ich gebe zu Wocheneden mit Zweisamkeit sind etwas schönes. Jemanden zu haben, der außer einem noch in der Wohnung herumwuselt, ist ein schönes Gefühl. Aber mein erstes Wochenende hier war trotzdem schön und sehr entspannt. Ein wenig Unterrichtsvorbereitung, Stricken und Fernsehen. Aber auch ein wenig Schlittschuhfahren in der nicht weit entfernten Eishalle gestern. Ich hab Schlittschuh von Janas Tochter geliehen bekommen, weil die keinen Verleih haben. Aber irgendwie hat auch jeder Tscheche Schlittschuhe – könnte daran liegen, dass sie hier Schlittschuhlaufen als Pflichtprogramm in der Schule haben. Das Highlight des heutigen Tages war ein Kinoausflug nach Prag “The Hobbit” auf Englisch mit tschechischen Untertiteln.

Einzige Anmerkung, die ich noch habe: Wenn man im Ausland unterwegs ist als Deutscher, sollte man niemals davon ausgehen, dass einen keiner versteht! Im Zweifelsfall stimmt das nicht. Ich hätte mir auf der Zugrückfahrt allerdings heute gewünscht kein Deutsch zu verstehen, dann wären mir die Obzönitäten, die mein Sitznachbarn (älterer Herr) am Telefon von sich gegeben hat, ersparrt geblieben. Und das mit zwei Kindern im Abteil, Pfui! Nun ja, bei denen hat er zumindest zurecht angenommen, dass sie ihn nicht verstehen …

Zungenbrecher

Wie ist es möglich, dass ich, trotzdem ich schon mal eine ganze Weile in Tschechien gelebt habe und sogar schon mal Weihnachten hier verbracht habe, bis vorletzte Woche nicht wusste was Heiligabend heißt? Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich es nicht aussprechen und mir daher nicht merken kann.

Heiligabend = Štědrý den (gesprochen: Schtjedri den)

Jedes Mal veränke ich mir die Zunge dabei, sehr zur Freude der Schüler übrigens, die ich ja auch ab und zu mit der deutschen Aussprach quäle ;). “Sag’ doch mal Štědrý den!” Ich habe sie auf das Ende der Stunde verwiesen, aber ich kann es immer noch nicht wirklich.

Die Tücken der deutschen Sprache

Die Tatsache, dass Deutsch meine Muttesprache ist, bedeutet im Unterricht nur, dass ich keine Fehler mache. Das heißt aber nicht, dass ich Grammatik besonders gut erklären kann und vor allem heißt das nicht, dass ich weiß, an welcher Stelle die Schüler Probleme bekommen und was ihnen leicht fällt. Und dabei spreche ich immerhin gut genug Tschechisch, um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen deutscher und Tschechischer Aussprache, Grammatik, etc. zumindest Ansatzweise zu kennen.

Einige Beispiele:

- Warum haben die Schüler Probleme mit Nebensetzen mit weil/darum – man kann sie doch eigentlich exakt ins tschechische Übersetzen?

- Warum stellen sie Adjektive auf einmal hinter das Subjekt (das Haus groß), wenn sie das im Tschechischen auch nie machen würden?

Das und die Einschätzung dessen, was die Schüler können sollten (korrekt konjugierte Verben und Zeitformen z. B.) und was wiederrum verzeihliche Fehler sind (wenn sie das Genus nicht korrekt verwenden), finde ich sehr schwierig. Zumal Jana immer sagt, es soll für mich verständlich sein. Ich verstehe viele Sätze auch, wenn das Verb nicht in seiner korrekten Form gebraucht wird – ist aber ein ganz grober Fehler, dafür fallen die Schüler durch die Abiturprüfung.

Völlig irritiert bin ich manchmal, wenn sie mitten in der Stunde auf einmal Erklärungen für gramatische Phänomene oder Auspracheprobleme haben will. Noch ein paar Beispiele:

Wann spricht man ST als scht wann als st? Kleiner Tipp, es hat was mit der Stellung im Wort zu tun, aber darauf muss man so schnell erstmal kommen.

Wo ist der Unterschied zwischen ich muss und ich müsste (und zwar nicht gramatikalisch, den kenne ich auch), wann verwendet man was und warum?

Warum sagt man es gibt Ärger und nicht es ist Ärger, die tschechische Übersetzung ist wörtlich erstens nicht möglich, zweitens unterscheiden sie nicht zwischen es gibt und es ist, sie übersetzen es gleich …

Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten ist eine wirklich interessante Erfahrung und es hat nichts gemein mit dem Deutschunterricht, den ich an einer Berufsschule irgendwann mal geben werde. Aber ich kann nur sagen: Es macht echt Spaß!

 

1,5 Stunden Anatomie

Ich habe gerade jede Menge anatomische Begriffe gelernt. Und zwar nicht weil ich bei einer Anatomiestunde hospitiert hätte, was ich auch tun könnte, sondern weil ich beim Yoga war. Ich habe erst überlegt, ob ich überhaupt hingehen soll, weil ich ja nicht alles verstehe, was die so an Anweisungen geben und beim Yoga gibt es wirklich viele Positionsanweisungen. Und dann die ganzen Namen für die verschiedenen Stellungen… Aber ich habe auf jeden Fall eine Menge gelernt. Zum Beispiel haben die Tschechen kein extra Wort für Zehen sondern sie nennen sie “Finger am Fuß” und Fuß ist bei Ihnen auch alles von der Hüfte an abwärts. Bei der Entspannung am Schluss bin ich dann nicht mehr mitgekommen welche Muskeln ich nun genau entspannen soll, aber das ist wohl eher unproblematisch, solange am Schluss alles entspannt ist :)

Ich habe ein Bordell im Kopf

In meinem Kopf ist bisweilen ein Bordell. Also keins mit zahlenden Männern und käuflichen Frauen, sondern ein großes Chaos, das die Tschechen bisweilen als „bordel“ beizeichnen. Das liegt vorallem daran, dass ich andauernd von einer Sprache in die andere wechseln muss. Jana möchte wenn wir allein sind gerne Deutsch sprechen, aber manchmal wechselt sie auch mitten im Satz die Sprache. Einige Schüler sprechen mit mir Englisch, manche mühen sich auf Deutsch ab, weil sie nicht wissen, dass ich eigentlich alles verstehe was sie sagen. (Ich gebe zu, das stört mich ziemlich, weil das nicht ganz fair ist.) Man was für ein Sprach-bordel …

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