Annas Blog

Category: als Comenius-Assistentin in Tschechien (page 2 of 4)

Meine Projekte – das Ergebnis und andere Erkenntnisse

Heute hatten wir Projektpräsentation. Es ist geschafft. Und ich bin letzten Endes sogar recht zufrieden. Wobei ich meinen Maßstab im Laufe der Bearbeitungsphase immer weiter heruntergeschraubt habe (an dieser Stlle wäre zu reflektieren, ob mein Maßstab bzw. die Anforderungen zu hoch war, aber dazu hab ich jetzt gerade keine Lust). Aber ausgehend von der Generalprobe in der letzten Woche, die teilweise schon gut aber teilsweise auch katastrophal (Ausreden warum wer nun gerade nicht in der Lage war die präsentation mitzubringen, schlechte bis gar keine Vorbereitung und reines Ablesen), war das Ergebnis heute gut. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass man das eine oder andere evtl anders machen sollte, aber das hatte ich an anderer Stelle ja schon erwähnt.

Die Schulleiterin war zum Teil anwesend, wieviel sie verstanden hat weiß ich nicht, ich habe keine Ahnung, wie es um ihre englischen und deutschen Fremdsprachenkenntnisse bestellt ist. Ich tippe allerdings auf nicht alzu gut. Geäußert hat sie sich auch nicht, aber vielleicht kommt das ja morgen noch.

Ansonsten ist mir aufgefallen, dass die Präsentationsfähigkeiten der Schüler besonders in der 1. Klasse zum Teil wirklich schlecht sind (Auftreten, lautes deutliches Sprechen, etc.) und ich habe immer versucht im Geiste einen Vergleich mit gleichaltrigen Berufsschülern in Deutschland zu ziehen (1. Lehrjahr). Leider habe ich kein  Bild parat, ich erinnere mich zwar an mein Praktikum letzten März, aber da habe ich unter anderem 12. Klässler der Fachhochschule unterrichtet, die waren deutlich älter und schon berufserfahren. Und Auszubildenende im 2. bzw. 3. Lehrjahr waren (jedenfalls in meiner Erinnerung) definitiv besser, aber es war halt auch kein erstes Lehrjahr und natürlich war es keine Fremdsprache. Ich tue mich also schwer mit dem Vergleich.

Außerdem ist mir heute nur allzu deutlich bewusst geworden, wie schwierig das Geben von Noten für solche Projektarbeiten und Vorträge tatsächlich ist. Und Schülern gerechte Noten zu geben, die eigentlich überhaupt nicht miteinander vergleichbar sind ist umso schwieriger. was sagt scho eine vier und eine eins, wenn der Unterscheid eigentlich der zwischen schwarz und weiß ist? Kann man jemandem sein Bestes gegeben hat, es aber nie besser können wird als “schlecht”, guten Gewissens eine vier geben? Fragen über Fragen und ich wüsste nicht wer mir wirklich eine Antwort geben kann …

 

Vorweihnachtlicher Unterricht

Wer kennt das nicht aus seiner eigenen Schulzeit: Es ist die letzte Woche vor den Ferien und in diesem Fall und alle (Schüler wie Lehrer) haben eigentlich nicht mehr so richtig Lust, sich in dieser wundervollen weihnachtlichen Stimmung in Arbeit zu stürzen. Es werden also Filme geguckt, Kerzen angezündet und sich eine schöen Zeit gemacht.

Genau das war auch Janas und mein Plan für Montag, wobei wir allerdings beschlossen hatten, dass die Schüler doch noch die ein oder andere kleine Aufgabe bekommen sollten. Ich habe also deutsche Weihnachtslieder (ich besitze Rolf Zukowskis gesammelte Werke) mitgebracht und einige ausgesucht. Zum Beispiel das Lied “Ich wünsche mir zum heiligen Christ..” ein wahrscheinlich eher unbekannte Kandidat, aber hervoragend dazu geeignet sich über Weihnachtswünsche und darüber wer die Geschenke bringt zu unterhalten. Weiterhin hatte ich “Schneeflöckchen” ausgewählt, wegen der Vernietlichung, die wir mit einer Gruppe thematisiert hatten, und außerdem natürlich um die Schüler mit Aussprache-Übungen zu quälen ;). Den Deutschlernern der 4. Klasse haben wir sogar noch einen Text von Axel Hacke “Die Christbaumkugel” zugemutet. Die waren davon ein wenig erschlagen. Leider lief organisatorisch einiges schief. Die Englischlehrerin war Montag nicht da, daher sollten die beiden Gruppen (Deutsch und Grundkurs Deutsch = Englisch Fortgeschrittene) zusammengelegt werden. Sie hatte den Schülern nun versprochen, dass sie “Mama Mia” gucken dürfen, während sie nicht da ist. Also wir ihnen dann mitgeteilt haben, dass sie zunächst mit uns in weihnachtlicher Stimmung deutsche Weihnachtslieder hören sollen und Vokabeln zum Thema erarbeiten müssen, waren sie seeehr genervt. Nicht förderlich für die Weihnachtsstimmung und das Unterrichtsklima. Es lief trotzdem einigermaßen, aber leider nicht ganz so wie gewünscht. Schade, aber manchmal kann man auch einfach nichts dafür …

Krankenschwesterausbildung in Tschechien

An der ein oder anderen Stelle hatte ich ja schon mal ueber die Krankenschwesterausbildung hier an der Schule geschrieben. Heute Vormittag hatte ich ein Gespraech mit der Leiterin des Praxisbereichs, die michrecht ausfuehrlich darueber informiert hat, wie die Fachtheoretische und Fachpraktische Ausbildung ablaeuft. Wahrscheinlich haette sie noch mehr in die Tiefe gehen koennen, aber zu einen wollte sie mir das wohl nicht antun, zum anderen sind mir auch keine Fragen mehr eingefallen, weil ich einfach zu wenig Ahnung habe von der Arbeit im Gesundheitswesen.

Fuer interessierte werde ich das an dieser Stelle mal zusammenfassen:

1. Lehrjahr: Die Schueler bekommen in der Faechern Pflege, Somatologie und Erste Hilfe theoretische und praktische Grundlagen vermittelt. Dazu gehoeren zum Beispiel Verbandstechniken, aber auch kommunikative Grundlagen, Arbeitssicherheit, Hygiene etc.

2. Lehrjahr: theoretische und praktische Grundlagen der Grundpflege/ -versorgung: Fieber und Puls messen (Koerperfunktionen kontrollieren), Blutabnehmen (nur am Model, gegenseitig ist verboten), Medikamente verabreichen, etc. Im Prinzip alles was sie beherschen sollen, wenn sie im 3 Lehrjahr in die Praxis gehen.

3. Lehrjahr: Praxis an zwei Tagen pro Woche je 5 Stunden, in achter Gruppen arbeiten die Schueler auf der Inneren, Neurologie oder Chirurgie (wechsel im sechs Wochentakt). Verantwortlich sind jeweils die Lehrer, die sie begleiten. Fuer jede Woche gibt es ein festgesetztes theoretisches Thema, es wird versucht in der Praxis auch in diesem Bereich zu arbeiten, ist aber natuerlich Patientenabhaengig. Zu Beginn bekommen die Schueler jeweis zu zweit ein Patientenzimmer, spaeter bekommt jeder eins. Am Ende des dritten Schuljahres haben die Schuelerinnen einen Monat nur Praxis und werden einzeln auf die Stationen verteilt. Dort werden sie dann in die Arbeitsablaeufe integriert ohne das die Lehrer dabei sind, bekommen aber einen Mentor zugeteilt.

4. Lehrjahr: Verfestigung des praktischen und theoretischen Wissen, besonderes Augenmerk darauf auf bestimmte Krankheiten hin zu pflegen und entsprechende Massnahmen zu kennen. Praxis 12 Stunden woechentlich auf der Inneren und der Chirurgie (2 Gruppen), jeweils vier Schueler werden auf die HNO, Gynaekologie, Geburtsstation geschickt. Sie muessen regelmaessige Selbsteinschaetzungboegen ausfuellen und jede Woche eine komplette Dokumentation ueber die Bahndlung eines Patientenschreiben/ausfuellen (etwa sechs Seiten). Vor der Pruefung (Teil der Abiturpruefung) verbringen sie den kompletten April auf der Station wo die Pruefung stattfindet. Das ist entweder die Innere oder die Chirurgie, das wird nach Los entschieden.

Pruefung: besteht im Prinzip aus einem Vormittag Praxis, wobei eine Komission aus vier oder fuenf Leuten die Arbeit der Schueler beobachtet. Anschliessend haben die Schueller eine Stunde Zeit und werden noch 30 Minuten muendlich geprueft, zu dem was sie Vormittags gemacht haben im Normalfall.

Wien im Schnelldurchlauf

04:25 Weckerklingeln

05:30 Ankunft am Abfahrtsort, warten auf den Bus (-7°C)

06:00 Ankunft des Buses, er hatte Verspätung wg Motorschaden, d. h. wir hatten einen anderen Bus als den ursprünglich vorgesehen und der war eiskalt (immer noch -7 °C, sowohl im als auch außerhalb vom Bus). Daher haben alles die erste Stunde mit Jacke und Mütze im Bus gesessen.

8:00 die Temperaturanzeige im Bus zeigt -11°C (nur noch außerhalb)

8:30 Österreich, deutsches Radio und deutsche Schilder :) (weniger Schnee und es wird wärmer -5°C)

10:30 Wien, fast kein Schnee, wir sind am Uni-Gelände und damit dem Narrenturm angekommen. Dort befindet sich das Pathologische Museum, wo wir für elf Führungen bestellt hatten.

11:00 Führung im Pathologischen Musuem. Ich bin mit der Gruppe gegangen, die die deutsche Führung hatte (also alle Schüler die Deutsch lernen), das lief aber im wesentlichen darauf hinaus, dass ich übersetzt habe. Die anderen beiden Gruppe hatten englische Führungen, wie viel die wirklich verstanden weiß ich nicht. Ich bin da zum Teil ganz schön an meine Grenzen gestoßen, Wörter wie Schädel, Darm und Blinddarm waren auf Tschechisch auch für mich neu. Aber mit Hilfe der Schüler haben wir das ganz gut hinbekommen. Waren übrigens auch ein paar ganz schöne ecklige Sachen dabei. Obwohl das gruseligste Präperat für mich war die “Staublunge”, mein Tipp war Raucherlunge (zwar eine nicht ganz so schlimme, aber sie war doch verhältnismäßig grau), ich wurde eines Besseren bellehrt. Eine ganz normale Wiener Lunge, wie man sie in allen Großstädten findet.

12:30 nach dem obligatorischen Gruppenfoto haben wir einen Rundgang durch die Innenstadt von Wien gemacht. Der Plan war mit den Schülern an eineigen wesentlichen, interessanten Gebäuden vorbeizugehen. Das haben wir dann auch gemacht (trotz Protest und Gemaule der Schüler), leider hatten natürlich weder Jana und ich wirklich Ahnung von Wien, wir hatten zwar im Bus den Reiseführer studiert, aber das ersetzt natürlich keine gute Stadtführung. Wobei – nach dem Erlebnis von Samstag brauche ich keine Stadtführung im Winter mehr. (-1°C und eisiger Wind)

13:00 Volstheater, Maria-Theresien-Platz, Helden-Platz und Hofburg, Kohlmarkt, Stephansdom, zwischendurch ein Kaffee, Staatsoper, Karlsplatz und Karlskirche und Punsch und ein wenig Weihnachtsmarkt (-3°C und einiger Wind, dank Punsch aber zu ertragen)

17:00 wieder im Bus (der inzwischen Warm ist) auf der Rückfahrt

17:20 die erste Pinkelpause eine folge übermäßigen Glühweinkonsums ;)

19:40 Absetzen der ersten Schüler (-7°C und wieder Schnee)

20:30 Ankunft in Bensev (-9°C und inzwischen 20 cm Schnee)

Man bin ich müde… Resümee: Wien ist (auf den ersten Blick) eine schöne Stadt. Ich hätte gern mehr Zeit gehabt und wärmeres Wetter. Also das nächste Mal sollte es mindestens Frühling sein und man sollte wenigstens ein paar Tage bleiben. Dort mal ins Theater gehen wäre bestimmt auch nicht schlecht :).

Lustige Unterrichtsvorbereitungen

Ich hab inzwischen schon die verschiedensten Arbeitsblätter zusammengestellt,  geometrische Formen ausgeschnitten, Karten mit Schlagworten beschriftet, Filmausschnitte verschriftlicht, Liedtexte bearbeitet, jede Menge Dinge also …

Aber die absolute Krönung ist die Suche im Internet nach Kontaktanzeigen. Das Thema mit der 4. Klasse ist Männer und Frauen, Beziehungen und Partnersuche. Inzwischen sind wir bei Kontaktanzeigen gelandet, die sich auch hervoragend zum Üben von Adjektiven und Charakterisierungen eignen. Also ich hab ja keine Ahnung wie man im Internet ernsthaft nach ernstzunehmenden Kontaktanzeigen sucht, aber ich habe bei meiner ernsthaften Suche ohne ernste Absichten wirklich die lustigsten Dinge gefunden. Wobei ein Großteil leider nicht geeinet ist für meine Schüler, sonst müsste ich denen wohl deutsches Sex-Vokabular beibringen :).

Projektarbeiten – oder wie es nicht funktioniert

Ich habe in den letzten Wochen ein paar Dinge über Projektarbeiten gelernt, oder besser darüber, wie man es nicht machen sollte. Natürlich habe ich das ein oder andere auch and er Uni schon mal gehört, aber bislang gab es ja noch keine Gelegenheit dies praktisch zu erproben.

Der erste Fehler war, das wir das Projekt nebenher haben laufen lassen und nur alle zwei Wochen Rücksprache mit den Schülern gehalten haben. Das mag bei Gruppen funktionieren, die gut selbstständig arbeiten, hier aber nicht.

Zweiter Fehler: die Teilziele waren nicht klar genug definiert.

Dritter Fehler: Die Schüler hatten nur wenig Zeit im Unterricht bzw. in der Schule sich damit zu beschäftigen. Zu Hause machen sie nichts oder wenig und angeblich können sie das auch aus den verschiedensten Gründen nicht (Eltern verbieten das Internet, Rechner kaputt etc.).

Mein großes Problem (gerade in der 1. Klasse Englisch), ich habe keine Ahnung, was die Schüler können müssten bzw. können. Und selbst wenn Jana sagt: “Das können sie aus der Grundschule” stimmt das oft nicht oder sie tun zumindest so, als ob sie es nicht können. Daraus ergibt sich der vierte Fehler: Ziel evtl. zu ehrgeizig gewählt.

Tja und das Ergebnis? Noch ist es nicht vorbei, aber man darf gespannt sein…

Und der Rest des Tages …

Auch der sollte Erwähnung finden, denn er war recht interessant. Ich habe ja schon des öfteren mal geschrieben, dass ich in der 1. Klasse (Englisch) nur kleinere Gruppen unterrichte. Diese Woche hatte ich das Vergnügen mit den Klassenbesten. Davon ist einer erst seit drei Wochen an der Schule, ist aber in Englisch besser als alle anderen. Trotzdem geht er mir auf die Nerven. Ich hab in inzwischen wiederholt zurechtweisen müssen, weil er anderen, die seiner Meinung nach zu langsam sind ins Wort fällt. Er ist auch immer als erstes fertig und kabbelt sich mit seiner Sitznachbarin (sind zwar süß die zwei, nerven aber). Ich hab jetzt die letzten Male immer schon Zusatzaufgaben dabei gehabt, damit er beschäftigt ist. Aber das Problem ist er hält sich für so überlegen, dass er die Aufgaben gar  nicht richtig macht. Bei der Textarbeit heute, hat er die Fragen gar nicht richtig gelesen, weil er der Meinung war, er weiß das sowieso … Bislang habe ich immer gedacht, dass man gute Schüler automatisch mag als Lehrer, ich bin eines besseren belehrt worden.

Das ist sowieso eine interessante Erfahrung. Bislang habe ich nir eine Gruppe lang genug unterrichtet um echt sympathien bzw. Antipathien entwickeln zu können. Aber jetzt kenne ich, zumindest in den Gruppen, die ich oft unterrichte, die meisten Schüler ziemlich gut. Und manche mag ich, machne sogar sehr, andere weniger bis gar nicht. Wie geht man damit um?

Ih würde natürlich behaupten, dass ich mir das nicht anmekren lassen will. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das ist Blödsinn. Die meisten Mensch sind relativ sensibel, was solche Dinge angeht und wahrscheinlich senden wir Signale aus, die wir gar nicht kontrollieren können. Ich weiß im Normalfall auch ob mich jemand mag oder nicht. Also könne wir als Lehrer wahrscheinlich nur probieren trotzdem möglichst transparent und gerecht zu sein und sich solcher Antipathien (und natürlich auch Sympathien) besusst zu sein.

An unserer Schule war übrigens heute Tag der offenen Tür. Deshalb standen alle Klassen auch während der Stunden offen und ab und zu hat mal jemand den Kopf herein gesteckt. Sie hätten sich sogar dazu setzen können, aber das hat keiner gemacht.  Dafür wurde dann auch schon der Prastikweihnachtsbaum im Flur aufgestellt. Der behält schließ auch bis nächstes Weihnachten noch problemlos seine Nadeln.

Ansonsten habe ich heute Nachmittag einer Schülerin bei der Abiturvorbereitung in Englisch geholfen. Ich gebe zu, dass ich mich dafür eigetnlich nicht prädestiniert fühle, aber sie wollte ein Abiturthema mit mir durchgehen und die größten gramatikalischen Schnitzer konnte ich immerhin ausmerzen. Das war auch ganz interessant, weil sie von ihrer Familie mit 10 (!!) Geschwistern erzählt hat, ok eigentlich erst 9, das zehnte ist noch unterwegs. Die Leben auf einem Bauernhof (wo auch sonst?) mit Ziegen, Hühnern und anderen Tierchen. Wenn es nicht überwiegend Mädchen wären, wäre das ne super Fußballmanschaft, irgendwannmal, wenn auch das letzte groß genug ist :)

 

Krankenhausalltag

Heute morgen bin ich um 5:00 aufgestanden, um mit den Schülern der vierten Klasse ins Krankenhaus zu gehen. In strömendem Regen habe ich mich (noch ziemlich müde) auf den Weg zur Schule gemacht. Ein weißes T-shirt habe ich mir extra besorgt, eine weiße Hose und Schuhe konnte ich mir leihen. Augestattet mit einem Schild auf dem “žákyně” (=Schülerin) stand bin ich also zunächst mit auf die chirurgische Station A (auch als saubere Chirurgie bezeichnet) gegangen. Die Schülerinnen trage übrigens zum Teil Kleidchen als Arbeitskleidung, allerdings nicht alle, offensichtlich konnten sie sich das aussuchen. Da ich keine Krakenschwester mit Kleidchen gesehen habe, nehme ich an dass das im Altag nicht unbedingt praktisch ist. Ich würds nicht tragen wollen, ist irgendwie so Klischeehaft, das kurze Krankenschwesternkleidchen.

Zurück zu meinen Erlebnissen. Ich habe meinen Vormittag also damit verbracht den Schülerinnen und Schülern (ok das war nur einer) über die Schulter zu schauen. Medikamente verteilen, Verbände wechseln, Blut abnegmen, Infusion setzen, etc. Oft war auch die Lehrerin mit dabei, denn hier an der Schule ist es so, dass die Praxislehrerin für alles Tun der Schüler verantwortlich ist. Auf der Chirurgie war das eine Lehrerin für 7 Schüler. Das heißt, dass die ganz schön am “fliegen” war, wie die Tschechen sagen würden. Obwohl die Schüler schon recht selbstständig arbeiten, ist sie gerade beim Blutabnehmen o. ä. noch oft dabei. Als Stressfaktor kamen dann einige Unfallopfer dazu, wobei ich nur bei der Aufnahme einer Frau (Schlüsselbein und Hand gebrochen, glaub ich jedenfalls, alles habe ich nicht verstanden) dabei war. Auch an der Visite der Stationsärztin habe ich teilgenommen. Als die bei einem älteren Herren einen Katheter gelegt hat standen (mit mir) sieben Leute um ihn rum. Ich hab übrigens meist weggeschaut, das war dann doch etwas viel für mich am frühen Morgen.

Als auf der Chirurgie erstmal alle soweit versorgt waren und es (nicht meine Worte) “nichts interessantes mehr” zu sehen gab, haben sie mich auf die Innere geschickt, wo die andere Gruppe Schülerinnen zur Zeit im Einsatz ist. Die Station war älter, sowohl Gebäudetechnisch, als auch was den Altersdurchschnitt der Patienten anbelangt. Das gruseligste Erlebnis war das EKG-Schreiben bei einer wirklich fetten Frau. Entsetzen und Mittleid in einem – die war kaum noch in der Lage sich zu bewegen…

Es war also ein ereignisreicher Morgen, und einige Bilder werde ich wohl nicht so schnell wieder los. Ich kann aber auch verstehen, wieso die Schüler, wenn sie nach dem “Praxisunterricht/Praktikum” (was ja im Prinzip Arbeitsalltag bedeutet) zum Beispiel in der 7. und 8. Stunde noch Deutsch haben, nicht mehr motiviert sind. Morgens Unfallopfer versorgen und Mittags über Freizeit reden und das auch noch auf Deutsch, da muss man erstmal umschalten und das ist gerade zu Anfang bestimmt nicht leicht.

Methodisches Teil II

Ich nehme alles zurück was ich gesagt habe, naja vielleicht nicht alles aber einiges.

Nach meinen Überlegungen von letzter Woche, hatte ich die Biologie- und Chemie-Lehrerin angesprochen, ob ich nicht auch in ihrem Unterricht mal hopspitieren dürfte. Diese hat offen und freundlich reagiert und mir versichert, ich sei jederzeit willkommen. Das habe ich dann heute gleich mal ausgenutzt. Und war sehr positiv überrascht.

Kein Frontalunterricht, viel Selbsttätigkeit der Schüler und sie ist als Lehrerin unglaublich ausgeglichen und ruhig, was sich positiv aus die Klasse auswirkt (immerhin kenne ich die Klasse aus dem Englischunterricht, bestes Beispiel, die letzte Stunde gestern…). Die Frau ist schon über sechsig (sieht aber nicht danach aus) und macht wirklich guten Unterricht und hatte super Ideen.

Einige Beispiele:

Als Ergebnissicherung zum Thema “Gesunder Lebensstil” sollten die Schüler heute Plakat gestalten – die Ergebnisse waren gut. Teilweise als Warnung, teilweise als Ratschläge oder Gegenüberstellung gestalltet. In einer anderen Klasse haben die Schüler und Schülerinnen sich mit den verschiedenen Sinnen und deren Funktion beschäftigt. Sie mussten einen Test zu dem Thema gestalten (Aufgabentypen waren vorgegeben: Multiple-choice, Ja/nein-Fragen, sowie Beschriftungsaufgaben von Zeichnungen) und Auch eine die Punkte und Notenvergabe entsprechend planen, anschließen ist der Test von anderen Gruppen geschrieben und dann wieder von der Ausgangsgruppe ausgewertet worden. Davon habe ich natürlich nur das Ergebnis mitbekommen, aber ich finde die Idee wirklich gut und die selbstgestalteten Test sahen wohl durchdacht aus. Außerdem waren die Schüler auf diese Weise gezwungen sich viel intensiver vor dem Test mit dem Thema auseinanderzusetzen. Eine Idee, die man sich merken sollte.

Bei Gelegenheit werde ich auch noch mal mit in den Chemieunterricht gehen. Am Donnerstag ist aber erstmal ein Ausflug in die Krankenhauspraxis angesagt. Dazu habe ich mir eben extra noch ein weißes T-shirt besorgt, Hose und Schuhe kann ich mir leihen. Morgens um 6:15 gehts los. Ich werde mich daran erinnern müssen, dass ich das freiwillig mache, wenn ich am Donnerstag um 5:00 aufstehe.

Das sinkende Schiff

oder die Stimmung an der Schule

Allein anhand der Räume die wird in der Schule zur Verfügung haben, wird schnell klar, dass die Schule mal größer war. Inzwischen hat sie mit einer Klasse pro Jahrgang eine grenzwertige Größe erreicht – viele haben Sorge, dass die Schule geschlossen wird. Die Schulleiterin kennt dagegen nur ein Mittel: alle Schüler nehmen, egal um welchen Preis.

Leider ist das alles andere als unproblematisch, wenn man sich unsere erst Klasse anschaut. Von Anfänglich dreizig sind inzwischen noch zwanzig da und auch davon werden es mit Sicherheit nicht alle druchhalten bzw. das Abitur schaffen. Die Schüler, die bislang genagen sind, sind aber nicht unbedingt die, die nichts können oder nicht wollen, sondern es waren auch zwei der Klassenbesten dabei, die es einfach nicht mehr ausgehalten haben. Inzwischen hat sich das Ganze zwar ein wenig beruhigt und die Arbeitsatmosphäre ist besser geworten, doch das heißt nicht, das die Probleme der Schule gelöst wurden.

Gestern vormittag war die Schulleiterin nicht da. Das haben die übrigen Lehrer (mit Außenahme zweier Praxislehrer, die offensichtlich niemand mag und mir – ich hab in dieser Zeit als einzige Unterrichtet und erst hinterher davon erfahren :)) gemeinsam ein wenig Wodka getrunken und im Geheimen rebelliert. Das Problem der Rebellen ist aber folgendes: sie wollen die Schulleiterin loswerden, weil sie (Zitat) “die Schule zu Grunde richtet”, aber sie haben niemanden, der den Job stattdessen übernehmen will. Die Stellvertreterin (war nicht dabei, weil krank) hat schon mehrfach abgeleht, da sie lieber unterrichtet und die Fachbereichsleitetin für die Praxis will aus demselben Grund nicht. Also treffen sich alle am Donnerstag wieder und rebellieren weiter im Geheimen (wahrscheinlich wieder mit Wodka) und es wird letztendlich wahrscheinlich nichts passieren …

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