Annas Blog

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Warum ich nicht Grundschullehrerin werde

Erleichtert wische ich die Arbeitsflächen in  Restaurantküche des Barrockschlosses ab. Gerade eben ist der letzte der vierköpfigen Rasselbande wieder im Restaurant veschwunden, um demnächst an der Kaffeetafel zu sitzen. Eine gute Stunde habe ich mit vier Kindern, zwei Jugendlichen in Beobachterposition und einem Großvater (Urgroßvater?) in der Dokumentarfilmerrolle Muffins gebacken.

Nachdem die zwei Jungen und zwei Mädchen im Alter zwischen 4 bis 9 zunächst nur zögerlich die Küche betreten haben, wurden sie schnell von Minute zu Minute lebhafter. Als alle Hände gewaschen hatten, bekam jeder ein Papierkochmütze auf den Kopf, auf die ich mit Edding die Namen schrieb. Ich selbst trug auch so ein hübsches Exemplar. Eddy (“mit zwei d und y”, wie er betonte) fühlte sich als Ältester offensichtlich schon etwa zu cool für diese Aktion und gab sich betont gelangweilt. Matteo (der jüngste) konnte ohne Kiste nicht auf die Arbeitslatte schauen und war sehr aufgeregt. Lisa Marie (“du darfst Lisa schreiben”) war eher ruhig und hat fleißig mitgearbeitet. Helene (“ich habe ganz viele E’s im Namen!”) sah aus wie ein Prinzesschen in ihrem weißen Kleid und fühlte sich eindeutig auch so.

Helene: “Ich habe jetzt eine Geburtstagskrone, auf der mein Name steht!”

Ich: “Ich dachte ihr feiert eine Konfirmation heute. Außerdem ist das ein Kochmütze!”

Helene (mich ignorierend und aufgeregt auf und ab hüpfend): “Darf ich meine Geburtstagskrone behalten?”

Ich: “Natürlich darfst du die Kochmütze behalten, steht ja dein Name drauf!”

Anschließend bekamen alle eine Schürze umgebunden, um weiße Hemden und Kleidchen vor Teig und Schokoladenflecken zu bewahren. Bei einem Muffinteig ist es schwierig, jedem Kind gleichzeitig eine Aufgabe zu geben, denn es ist ja nur ein Teig.

Mateo gießt Milch ein, Lisa schlägt Eier auf, Eddy rührt (er war der einzige der rein Kräftemäßig dazu überhaupt in der Lage war) Helene: “was soll ich machen, darf ich auch was machen, was kann ich machen?!” (immer noch aufgeregt hüpfend). Sie durfte dann Butter zerkleinern. Akribisch begann sie damit zwei Stücke Butter in kleinste Stückchen zu zerlegen. Mateo wollte helfen und hatte bald seeehr fettige Hände. Nachdem (endlich) alle Butter im Teig war, musten alle wieder Hände waschen

Helene: “Warum muss ich denn schon wieder Händewaschen?”

Der größte Spaß war das Einfüllen in die Förmchen, eine Teig-Matsch-Party an der Janoschs kleines Schweinchen seine Freude gehabt hätte.

Helene (hysterisch kichernd): “Guck mal was der Matteo da macht!” (Matteo verteilt  den Teig neben den Förmchen)

Lisa: “Das hier wird meiner – da kommt extra viel rein!”

Ich: “Macht bitte nicht zu viel rein, die werden beim Backen noch größer!”

Eddy (während er ein Förmchen extreeem voll macht): ” Ich will auch einen extra Großen!”

Ich (nur für mich): “was hatte ich gerade gesagt?! – seufz”

Helene (mit dem Löffel schon halb im Mund): “Dürfen wir den Teig probieren, zu Hause darf ich immer probieren!”

Ich: “Ja, aber nur ein bischen, sonst bekommt ihr Bauchschmerzen!” (Oh man, dass ich so was mal sagen würde. Den Satz habe ich von meiner Mutter nie hören wollen!) – Sofort verschwinden vier Löffeln in vier Mündern.

Nachdem die Matschparty vorbei ist und die Muffins im Ofen, muss erstmal ein wenig geputzt werden. Nicht zu vergessen das obligatorische Händewaschen. Dann muss Zuckerguss und Schokoladenguss angerührt werden. Helene darf rühren. Lisa auch. Eddy schüttelt das Plastikdöschen mit den bunten Perlen solange bis diese schön elektrisch aufgeladen an der Gefäßwand kleben. Matteo rührt in der Schüssel mit dem Krokant und steckt sich ab und zu einen Hand voll in den Mund. Gut, dass seine Hand noch so klein ist, sonst wäre wohl nichts zum verziehren übrig.

Alle außer Eddy sitzen inzwischen auf der Arbeitsfläche.

Ich: “Helene, setz dich so hin, dass deine Schuhe nicht auf der Arbeitsfläche sind. Das macht man nicht!” (Ich bin erstaunt, sie gehorcht ohne murren.) “Matteo, du auch!”

Die Muffins kommen aus dem Ofen. Ich verteile sie auf einem Gitter, kurz warten müssen wir aber noch.

Ich: “Lisa, was habe ich über Schuhe auf der Arbeitsfläche gesagt?”

Lisa (während sie die Schuhe runternimmt): “Das hast du aber nicht zu mir gesagt!” – Tja, da hat sie recht, aber trotzdem!

Beim Verziehren merkt man, dass die Vier langsam müde sind. Zuckerguss und Schokoladenguss soll ich verteilen, dass ist ihnen zu anstrengen, sie wollen nur (tonnenweise) bunte Kügelchen und Krokant streuen.

Helene (während sie die Zuckerkügelchen streichelt): “Hier fass mal an, schön, oder?”

Ich: (Zuckerkügelchen anfassend ernsthaft): “Mhhm”

Lisa beginnt eifrig den restlichen Zuckerguss zu essen und hat bald das ganze Gesicht voll davon.

Helene: “Ich will den Schokoladenguss essen, darf ich?” Als ich nicht sofort reagiere, versucht sie es nachdrücklicher: “Lisa darf den Zuckerguss esse, ich will auch was! Warum darf ich den Schokoladenguss nicht essen?” Ich habe nie behauptet, dass sie nicht darf und drücke ihr die fast leere Schüssel in die Hand. Sie ist glücklich. Die Schürze ist inzwischen verrutscht und der braune Schüsselrand klebt am weißen Kleidchen, ich weiß schon, wer sich darüber freuen wird. Innerlich muss ich grinsen.

Nachdem die Muffins auf Teller verteilt wurden, schicke ich alle ein letztes Mal zum Hände und diesmal auch Gesicht waschen. Lisa schafft es dabei auch ihr halbes Kleid mitzuwaschen, gut dass es nicht allzu kalt ist heute. Matteo rennt mitsamt Schürze davon und muss nochmal zurückkommen, schließlich aber sind die vier Wirbelwinde wieder verschwunden. Helene war übrigens die Einzige, die Ihre “Geburtstagskrone” nicht mitgenommen hat.

Ich wische die Arbeitsflächen ab und probiere einen der noch lauwarmen Muffins. Hat irgendwie Spaß gemacht, aber wie gesagt: Grundschullehrerin werde ich nicht.

Abgestempelt?

Ich bin in der letzten Zeit über den ein oder anderen interessanten und kritischen Arikel gestoßen. Zum Beispiel der, der meine Generation degradiert zu Generation Maybe. Wir werden verunglimpft als unentschlossen, wankelmütig, nicht entscheidungsfreudig, zögerlich und unpolitisch. Ich habe mich beim Lesen immer wieder gefragt, was meint der Mensch (ein Mann übrigens – ob er wohl sich selbst als Beispiel sieht?). Im Vergleich zu den Vohergegangenen Generationen wissen wir also nicht, was wir wollen? Also ich muss doch sehr bitten. Mal davon ab, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass jeder 86er für freie Liebe gekämpft hat, weiß ich sehr wohl, was ich will. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das so sehr von den Zielen anderer Generationen unterscheidet.

Ich will manche Dinge besser machen als meine Eltern (welche bleibt an dieser Stelle unausgesprochen). Ich will eine Beziehung führen in der beide Partner gleichberechtigt sind und mich ebenso beruflich verwirklichen dürfen. Ich will irgendwann eine Familie (ja ich weiß, wir warten heute alle zu lange damit und sind Schuld an den demographischen Problemen). Und ich will auch die Welt verbessern. Ich möchte z. B. ökologisch so Leben, dass diese Welt auch nach uns noch bewohnbar ist.

Die Frage ist doch gar nicht, was wollen wir, die Jungen, sondern was wollen die Alten? Die, die die Mehrheit in unserem Land darstellen und die aktuelle und wohl auch noch zukünftige Politik bestimmen?

Einfach mal drüber nachdenken…

Über Frust und geteiltes Leid

Untertitel: SCHEISSE!

Gerade jetzt im Moment bin ich extrem wütend und gefrustet. Und da das hier ja seit neuestem sowas wie meine Psycho-Couch ist, werde ich den ganzen Mist jetzt hier abladen! Ich sitze (immer noch) an meinem Praktikumsbericht und war gerade schreibtechnisch richtig gut in Fahrt, nachdem heute es Vormittag eher schleppend lief. Das lauter werdende Brummen des Lüfters lernt man mit der Zeit zu ignorieren. Sollte man aber, wie ich gerade gelernt habe, nicht. Denn auf einmal mitten im schönsten Flow – Zack – Bildschirm schwarz, Rechner aus. Ist mir noch NIE passiert sowas. Das sich irgendwelche Programme mal aufhängen ok, aber das sich das Ding einfach so mir nichts dir nichts und ohne mich zu fragen komplett ausschaltet? Gut er ist ziemlich warm (oder sollte ich sagen heiß?) geworden; aber trotzdem! Ich wusste nicht mal, das der sowas darf!

Und wie das immer so ist, die letzte Speicherung habe ich ca. eine halbe Stunde vorher durchgeführt. Eine A4 Seite Text – einfach weg! Dafür gibt es nur einen passenden Ausdruck: SCHEISSE!

Soviel zum Thema Frust. Mein Leid besteht ja schon den ganzen Tag aus der Tatsache, dass ich mit diesem monströsen Bericht immer noch nicht fertig bin. Aber da bin ich natürlich nicht die Einzige. Und da kommen wir zum zweiten Punkt, ich habe heute schon mein Leid mit ganz vielen Mitleidenden geteilt. Moderne Kommunikation ist schon was schönes. Ein paar SMS, Facebook-Nachrichten und Telefonate später weiß man, wie es den ganzen Komilitonen so geht, wie weit die so sind und wie die welches Problem gelöst haben. Und obwohl wir uns alle gegenseitig bemitleidet haben: “Boa, ich hab auch echt gar keine Lust mehr..!” “Ne du ich auch schon lange nicht mehr, zehn Seiten Reflexion, so ein Blödsinn…” ging es wahrscheinlich hinterher allen besser. Mir geht das zumindest immer so.

So wie jetzt zum Beispiel. Ich kanns ja nicht mehr ändern. Weg ist weg (tolle Weisheit, was?!). Und ich habs mit euch geteilt oder euch zumindest mitgeteilt. Und wenn ihr dann noch ein wenig mit mir mit leidet, dann gehts uns allen besser… oder so ähnlich!

blog-blogger-bloggsten

Das was ich hier tue, nämlich einen Blog schreiben, das tut ja heute fast jeder. Mehr oder weniger erfolgreich versteht sich, wobei sich Erfolg heutzutage ja auch nur noch in Klicks und Likes messen lässt. Wenn man danach geht bin ich extrem unerfolgreich. Ich habe keine Ahnung wie oft hier so geklickt wird und wahrscheinlich würden die meisten Klicks auch noch von mir selbst stammen. Und wie ich den Blog hier SozialMedia freundlich mache, damit fleißig geliked werden kann, weiß ich schon gar nicht.

Aber ich habe mindestens zwei treue Leser, die sich darüber freuen, dass ich alle meine Erlebnisse fleißig hier verarbeite. Ist quasi so ‘ne Art Psycho-Couch, das ganze hier! Und da ich nicht professionell gestört bin, muss das hier auch nicht sonderlich profesionell sein. Sonst müsste ich wohl bei Gelegenheit mal ein Seminar beim Blog-Trainer besuchen. Den gibts wirklich. Hat auch einen Blog und blogt – übers Bloggen und wie jeder Blogger noch besser bloggen kann.

Auch verwirrt? Macht nix! Ich bleibe mal lieber bei dem, was mir Spaß macht und ich kann. Einfach schreiben!

PS: Ich lese aber gerne mal Blogs von anderen, wenn sie gut sind. Zum Beispiel den von Frau WEH!

Liebe Dresdner Stadtplaner,

Vielleicht ist es an der Zeit, dass ich mich einmal bei euch bedanke. Gerade heute auf dem Rückweg von der Uni habe ich den Hindernisparcour, der meinen täglich Arbeitsweg darstellt, wieder einmal mit Bravour gemeistert. Ich trainiere dadurch zweimal täglich Aufmerksamkeit, Konzentration und Reaktionsvermögen.

So musste ich wieder diversen auf den Bus wartenden und sich gedankenverloren bewegenden Menschen ausweichen und zwei mal scharf bremsen damit niemand zu schaden kommt. Dieses Gefahrentraining wird mir allein dadurch ermöglicht, dass die Radwege zwischen Bushaltestelle und Straße entlang führen, also danke dafür.

Auch die vielen Schlaglöcher und hohen Bordsteinkanten, die ich mit meine dünnen Reifen zu meiden versuche, helfen mir beim Fahren nicht einzuschlafen. Die zum Teil fehlende Markierung sorgt dagegen dafür, dass die Radwege aus dem Bewusstsein der Autofahrer verschwinden und verlangen von mir nicht nur das Beobachten der zu hohen Bordsteinkante, sondern stellen auch noch kommunikative Anforderungen. Denn ich muss herannahende Autos aufmerksam im Auge behalten und wenn möglich Blickkontakt mit dem Autofahrer aufnehmen. Damit er ja nicht vergisst, wer hier Vorfahrt hat – nämlich ich!

Ganz entzückt bin ich auch von den zwei Baustellen, die sich seit neuestem auf meinem (nur etwas 5 km langen) Weg befinden. Ein wenig Slalom kann für das Koordinationstraining eines jeden Radfahres nur von Vorteil sein. Und es versteht sich ja auch von selbst, dass die Autos auf Radwege umgeleitet werden und der Radfahrer den Umweg in Kauf nimmt. Schließlich möchte er nicht nur sein Ziel erreichen, sondern auch ein wenig trainieren. Sportliches Engagement geht klar vor.

Ich finde es auch völlig ok, wenn ihr Radwege wegmacht und stattdessen lieber Parkplätze baut. Die faulen Autofahrer müssen selbstverständlich immer direkt vor dem Geschäft parken können, denn sonst würde sie warscheinlich nicht mehr einkaufen gehen. Und den wirtschaftlichen Schaden, der dadurch entstünde, möchte ich nicht auf meine Kappe nehmen.

Nein, keine Sorge: Wir Radfahrer stecken das schon weg! Fragt sich nur, wie lange noch.

Gezeichnet,

eine Radfahrerin

 

on va faire connaissance

Wir werden Bekanntschaft machen .. und zwar mit der franzosischen Sprache, wie uns unserer holländischer (oder besser limburgischer) Französischlehrer heute mitteilte.

Pünktlich zur zweiten Doppelstunde (die beginnt um 9:20) saß ich in einem für 30 Studenten viel zu kleinen Raum im Seminargebäude am Zelleschen Weg. Hier werden vorwiegend Sprachen unterrichtet und nur ab und zu verirrt sich das ein oder andere Seminar oder Tutorium hierher. Ich hatte noch einen Patz mit Tisch in der unbeliebten ersten Reihe ergattert und mir fest vorgenommen nächstes mal ein wenig eher da zu sein. Heute allerdings war das nicht möglich, da mir erst nach dem Frühstück eigefallen war, dass ich für das anschließende Psychlogieseminar einen Text hatte lesen sollen. Den habe ich noch schnell heruntergeladen und dabei sehr zu meinem Entsetzen festgestellt, dass ich es mit vierzig Seiten über die “Methoden der Sozialpsychologie” zu tun hatte. Mein verzweifelter Versuch noch schnell etwas davon zu verarbeiteten endete auf Seite 13. Dann musste ich mich wirklich sputen, Apfel und Wasserflasche, sowie der unverzichtbare Collegblock haben es in den Rücksack geschafft. Das Fädermäppchen blieb einsam auf dem Schreibtisch zurück, aber immerhin gibt es irgendwo in meinem Rucksack immer einen Not-Kuli.

Aber der Sprachlehrer (Dozent ist ja kein so richtig passender Begriff, wenn von Sprachunterricht die Rede ist) kam auch zu spät. Er war mit dem Fahrrad gestürzt. Komisch irgendwie, das alle neuen Lehrer/Dozenten die ich im Moment habe sich dauernt auf die Nase legen. Dieser ist jedenfalls recht sportlich und ich würde so auf mitte fünfzig tippen. Seine pinke (! – er selbst bezeichnete sie als “Rote Fahrradhose”, aber da muss schon Farbenblindheit im Spiel gewesen sein) Röhrenhose war an einem Knie aufgerissen und der arme Mann humpelte. Trotzdem hat er erstmal erzählt, dass er – wie jeder gute Holländer – natürlich zuerst nach seinem Fahrrad geschaut hatte nach dem Sturz. Das war übrigens ganz geblieben.

Von der französischen Sprache haben wir heute vor allem die Aussprache geübt. Dazu hat er alles was in der ersten Lektion dran kommen soll (Stichpunkte wie: Sich vorstelle, …) in Lautschrift an die Tafel geschrieben und wir sollten es aussprechen und raten worum es geht. Dazu muss man ein wenig Lautschrift lesen können, denn obwohl er das ganze natürlich erklärt hat, erleichtert es das erheblich. Ansonsten ging es erstmal nur um das Lehrbuch (schon bei Amazon in Auftrag gegeben) und andere organisaorische Dinge. Ich denke morgen geht es dann richtig los. Ich freu mich schon!

Was ich sonst noch so gelernt habe: Mastrich liegt im Limburger Land, das wiederum gehört zu Holland. Und Menschen die in solchen Gegenden (wie das besagte Drei-Länder-Eck (Holland, Deutschland und Belgien)  aufwachsen haben das Glück ziemlich viele Sprachen schon ziemlich früh zu lernen. Vielleicht sollte ich meine Überlegungen, wo ich später mal leben und arbeiten möchte, anhand solcher Gesichtspunkte treffen … ;)

So nah und doch…

Die Sonne scheint zum Fenster rein, die Vögel zwitschern und das strahlende Wetter ist ein super Anlass gewesen die Betten abzuziehen und Wäsche zu waschen. Leider ist das auch schon das einzige was ich heute an frühlingshafter Stimmung abbekomme, da ich zur Zeit vor meinem Rechner festhänge und ganz dringend weitere Seiten Praktikumsbericht produzieren muss.

Da bleibt nur ab und zu der seufzende Blick aus dem Fenster. Es ist doch verrückt, dass man sich an solchenTagen sogar aufs Wäsche abnehmen freut, weil man dafür endlich hinaus in die Sonne und an die frische Luft gehen kann.

Sprachblüten

Die Sonne scheint und es wird Frühling. Allerdings sind die Bäume noch recht kahl und außer vereinzelten Frühblühern sind noch nicht viele Blüten zu sehen.

Zum Ausgleich dafür wurde ich dieses Wochenende mit einer breiten Palette an “Sprachblüten” konfrontiert. Darunter befanden sich sowohl Ausrutscher in den tiefsten Sprachsumpf als auch kreative Formulierungen aus der Hausarbeit meiner Schwester, bei der ich schon das Thema nicht verstanden habe. ;)

Ich möchte euch an dieser Stelle ein wenig an den hübschesten Auswüchsen teilhaben lassen. Aber Achtung nicht alles davon ist jugendfrei!

Gestern Abend waren wir auf einer Geburtstagsfeier. Und wie häufig rutschen Gespräche unter Erwachsenen zu fortgeschrittener Stunde und unter dem Einfluss von zu viel Alkohol auch gerne mal unter die Gürtellinie.  – Man verzeihe mir bitte an dieser Stelle den Niveauverlust, aber ich konnte nicht anders als es aufschreiben. – Neben abstrusen Geschichten über Sexunfälle (“Epileptikerin beißt ihrem Ehemann den Penis ab” und “Gips in der Harnröhre als Potenzmittel ist keine gute Idee”) habe ich tolle neue Worte gelernt. “Trackermuschi” und “Fernfahrerfotze” kannte ich zum Beispiel nicht. Und im Zusammenhang mit Hackfleisch und perversen sexuellen Vorlieben fiel irgendwann der Satz: “Da wird der Fleischer zum Zuhälter!” Aber mal abgesehen von schmutzigen Geschichten wars ein netter Abend ;) Er schien halt nur unter dem Motto “Heute sinkt für Sie: Das Niveau!” zu stehen.

Ganz eigene Stilblüten hat dagegen meine Schwester in ihrer jüngsten Hausarbeit produziert. Thematisch bewegt sich diese im Bereich Kunstwissenschaft und Philosophie und es handelt sich um eine Außeinandersetzung mit dem Futurismus in Russland (Ok ich nehme es zurück, ein bisschen was habe ich doch verstanden). Dieser hat sich ihrer Beschreibung nach “nicht ganz am Vorabend des ersten Weltkriegs, aber doch etwa um die Teezeit” entwickelt. Das ist zwar keine päzise Zeitangabe, wir lernen jedoch Folgendes:

1. Die Verfasserin ist Teetrinkerin – Norddeutsche oder Engländerin. (Wir wissen natürlich was zutrifft.)

2. Der zweite Weltkrieg hat an einem Abend begonnen.

3. Präzise Zeitangaben in geschichtlichen Abhandlungen sind überflüssig, hauptsache die Schreiberin wird ausreichend mit schwarzem Tee versorgt. (Was offensichtlich nicht der Fall war.)

Abschließend habe ich noch gelernt, dass die Russen (vor allem die Futuristen unter ihnen) größenwahnsinnig waren, aber auch das ist ja eigentlich nichts Neues. Ob Putin wohl auch eine “utopische Welttransformation” anstrebt? Ich hoffe nicht, denn diese besteht nach Meinung meiner schwarzteesüchtigen Schwester aus der “Vollendung der Schöpfung” und das hört sich keinesfalls gut an. Unsere Welt ist doch super wie sie ist, ein wenig unperfekt und sprachlich voller einzigartiger bis abartiger Bilder. Eine wundervolle Spielkiste für jeden, der damit umgehen kann oder zumindest glaubt dies zu können.

 

Gezeichnet:

Anna, die glaubt mit Sprache umgehen zu können (auch wenns an der Rechtschreibung bisweilen hapert) ;)

 

Das fehlende Wort

Grundsätzlich bin ich ja um Worte nicht verlegen. Aber jeder von uns kennt das ja, wenn er etwas bestimmtes sagen möchte und das passende Wort ist eben gerade in diesem Moment einfach nicht da. Das kann einem bei Fachbegriffen passieren, aber manchmal auch bei ganz alltäglichen Wörtern.

Ich bin nur kein Computermuffel und kennen (immer wieder auch zu meinem eigenen Erstaunen) inzwischen ziemlich viele Begriffe aus dem IT-Bereich. Trotzdem saß ich gerade am Rechner und wollte meinem Liebsten (von Beruf IT-Ingeneur) etwas über meine Tastatur erzählen (die müsste dringend mal geputzt werden, aber das nur am Rande).

“Sag mal, wie heißt nochmal die Taste mit der man Lücken macht?”

Er hat schallend gelacht. Und nun die Preisfrage an meine Leser, wie heißt denn die gesuchte Taste? ;)

Mein Literaturseminar – eine Reflektion über Vorurteile

Mit der Literaturwissenschaft bin ich im Verlauf meines Studiums zwar das ein oder andere mal konfrontiert worden, aber entweder handelte es sich dabei um Überblickveranstalltungen (“Literatur des Mittelalters” oder “EInführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft” d. h. alle Epochen von Barrock bis Neuzeit in ein Semester gequetscht) oder es waren Spezialseminar wie: “Gregorius von Hartmann von Aue” (auch Mittelalter, ein ganzes langes Semester lang). Ich habe also irgendwie das Gefühl von neuerer Literatur keine Ahnung zu haben (wahrscheinlich zurecht). Martin Walser und Christa Wolf kenne ich dem Namen nach, von Thomas Mann habe ich noch nie was gelesen.

Nur damit ich hier nicht falsch verstanden werde, ich mag Deutsch und unterrichte es gerne und ich lese gerne und viel, nur meistens nicht das, was man nach Meinung von Literaturwissenschaftlern lesen sollte. Mit entsprechendem Grauen habe ich mich in Vorbereitung auf dieses Semster an die Entscheidung gemacht, welches der Literaturseminare, die angeboten werden, ich wohl besuchen sollte. Letztendlich habe ich mich für eine praktikable Lösung entschieden, die nicht auf dem Thema des Seminars begründet liegt. Ausschlaggebend waren: die Zeit und die Tatsache, dass es geblockt alle zwei Wochen stattfindet. Das verschafft mir nämlich in den übrigen ersten Wochen einen freien Montag. Thema: Goethe – Leben und Werk.

Ja, ich gebs zu, ein scheußlicher Titel und bei der Literaturliste (nicht alles aber doch ettliches von Goethe, sowie seine Biographie) kann einem Himmelangst werden. Nichts desto trotz saß ich gestern in diesem Seminar in (mäßig gespannter) Erwartung, was auf mich zukommt.

Was ich dann erlebt habe, war ein Beispiel dafür, wie vorurteilsbelastet wir doch sind und wie sehr sich jeder von uns von Äußerlichkeiten beeinflussen lässt. Ein mittelgroßer, ca. 40 -50 jähriger, dicker Mann betrat den Raum. Er humpelte in die erste Reihe und breitete seinen Sachen dort aus. Er war relativ häßlich, was durch den grauen, ausgewaschenen Pullover, der sich um seinen sehr breiten Rettungsring am Bauch spannte und die schlabrige ausgewaschene Jeans noch zusätzlich betont wurde. Der ganze Kurs schien regelrecht die Luft anzuhalten und beobachtete gespannt und in ängstlicher Erwartung, was passieren würde: “Das ist doch nicht etwa der Dozent?” schwirrte es in den Köpfen der überwiegend weiblich Teilnehmer. Als er sich umdrehte und laut sagte: “So dann können wir wohl anfangen…” sah er wahrscheinlich in ungläubige Gesichter und auf denen geschrieben stand: “Das kann ja heiter werden!”

Und wieder erwarten wurde es heiter. Die Einführung zu Goethe und die Begründung, warum er besagtes Thema ausgewählt hat, war super. Vor allem als er auch noch anfing sich über andere Seminare lustig zu machen. So hatte auch ich mich schon gefragt, welchen Sinn es haben soll, ein Semster lang alle möglichen bekannten Texte nur auf die Gender-Problematik hin zu untersuchen. Oder über Seminare in denen ein ganzes Semster ein Text auseinander genommen wird, deren Ergebniss er dann so beschrieb: “der Text sagt eigentlich gar nicht, aber das ohne es zu wollen” und alle haben herzlich gelacht. Als er dann noch in einer Anekdote zum Besten gab, warum er humpelt war das gesamte Publikum begeistert. Er war in ein Erdloch gefallen bei einer hochphilosophischen Diskussion darüber, in welcher Beziehung der Ring bei Wagner (“Der Niebelungenring”) zu der Rolle des Geldes in Karl Marx “Das Kapital” stehe, dafür erntete er zunächst ungläubige Gesichter und erneute Lacher als er sich darüber aufregte, wie unverantwortlich es sei, auf einem Gelände, wo Menschen über wichtige wissenschaftliche Themen diskutieren und keine Zeit hätten den Untergrund zu betrachten, einfach Erdlöcher offen zu lassen.

Ich denke es wird ein gutes Seminar, wenn auch ein anstrengesdes, denn bis zum nächsten Termin müssen wir schon die ersten beiden Texte gelesen haben (Werther und Götz von Berlichingen) und außerdem ist meine Gruppe (Lena und ich) mit unserem Referat schon in vier Wochen dran (Thema: Sensualismus und das Theater der Gefühle im Kontext von Goethes Rolle am Hof von Weimar. Text: Stella). Aber ich denke es wird ein gutes Seminar, wenn es so weitergeht wie es angefangen hat.

Und nicht zuletzt hat es mir mal wieder gezeigt, wie sehr wir Menschen über ihr Äußeres beurteilen. Der Typ hätte auf einer Parkbank mit ner Bierflasche sitzen können, dasss hätte mich nicht überrascht. Überrascht dagegen hat mich wie und was er uns gestern vermittelt hat. Fazit: Sich seiner Vorurteile bewusst werden und versuchen sie dadurch unschädlich zu machen. Weil vorurteilsfrei ist niemand von uns. (Passenderweise gab es zu dem Thema einen Artikel in der neuen Zeit Wissen, den ich heute morgen zum Frühstück gelesen habe.)

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